Missbrauchs- Beauftragter vermutet mehr Opfer bei katholischen Orden

Bonn/Berlin - Der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig (60), geht davon aus, dass es bei den katholischen Ordensgemeinschaften noch mehr Opfer gegeben hat als bisher bekannt. 

Missbrauchsbeauftragter Johannes-Wilhelm Rörig (60) geht davon aus, dass es bei katholischen Ordensgemeinschaften mehr Opfer gegeben hat, als bisher bekannt.
Missbrauchsbeauftragter Johannes-Wilhelm Rörig (60) geht davon aus, dass es bei katholischen Ordensgemeinschaften mehr Opfer gegeben hat, als bisher bekannt.  © dpa/Gregor Fischer

"Mir war schon klar, dass ein Großteil der Missbrauchsfälle im katholischen Bereich im Bereich der Ordensgemeinschaften stattfinden", sagte Rörig am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk.

"Aber ich kann noch nicht einmal sagen, ob es nicht doch viel, viel mehr sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich noch nicht alle Betroffenen an die Orden gewendet haben."

Eine am Mittwoch veröffentliche Befragung der Dachorganisation Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) hatte ergeben, dass sich mindestes jeder dritte katholische Orden mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert sieht. 

Mindestens 1412 Personen haben demnach angegeben, als Kind, Jugendlicher oder Schutzbefohlener sexuell missbraucht worden zu sein. 

Rörig hat wichtigen Appell, um Missbrauchsfälle schnell aufzuklären

Die Vorfälle reichen bis in die 50er-Jahre zurück, als noch viele Schulen und Internate von Patern und Nonnen geführt wurden. Rörig forderte rasche Aufklärung: 

"Die Ordensobernkonferenz und die einzelnen Orden brauchen eine gute Struktur für die Aufarbeitung, sodass sowohl Zeitzeugen, als auch Personalakten gut ausgewertet werden können."

Die Orden sind nach eigenen Angaben finanziell nichts so gut ausgestattet wie etwa die Bistümer, da ihnen keine Kirchensteuer zufließt. 

Die Deutsche Bischofskonferenz hat ihnen aber Zusammenarbeit und Unterstützung zugesichert.

Titelfoto: dpa/Gregor Fischer

Mehr zum Thema Missbrauch:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0