Ureinwohnerin filmt kurz vor ihrem Tod, wie Krankenschwestern über sie herziehen

Québec (Kanada) - Grausames Ende einer siebenfachen Mutter: Die mutmaßlich beleidigende Behandlung einer Ureinwohnerin in einem Krankenhaus der kanadischen Provinz Québec hat dort eine Debatte über systemischen Rassismus befeuert. 
Joyce Echaquan filmte sich vor ihrem eigenen Tod noch selbst.
Joyce Echaquan filmte sich vor ihrem eigenen Tod noch selbst.  © Canadian nurses abuse indigenous woman as she lies dying in hospital bed

Wie örtliche Medien berichteten, war die 37-jährige Joyce Echaquan von der Stammesgruppe der Atikamekw am Samstag mit starken Bauchschmerzen in das Krankenhaus von Joliette nördlich von Montréal gekommen und zwei Tage später gestorben. Ihr Tod werde umfassend untersucht, kündigte Québecs Premierminister Francois Legault (63) am Dienstag (Ortszeit) an.

Auf einem von der Frau selbst per Handy gefilmten Video ist zu sehen, wie sie auf einem Krankenbett liegt und - offenbar vor Schmerzen schreiend - um Hilfe ruft. 

Die Kommentare des Personals sind in Untertiteln zu lesen. Eine Krankenschwester sagte der Frau demnach unter anderem, sie sei "verdammt dumm". Eine der beteiligten Pflegerinnen wurde dem Bericht zufolge bereits entlassen.

Québecs Premier Legault bezeichnete die Bemerkungen des Personals als "inakzeptabel und rassistisch", wie der kanadische Sender CBC berichtete. 

Welle der Empörung und Proteste in Kanada

Québecs Premierminister Francois Legault (63).
Québecs Premierminister Francois Legault (63).  © Rafael Yaghobzadeh/AP/dpa

Er stritt auf einer Pressekonferenz auf eine entsprechende Frage hin jedoch ab, dass dieser Fall ein Hinweis auf systemischen Rassismus in Québec sei.

"Ich glaube wirklich nicht, dass wir diese Art von Behandlung der Ureinwohner (First Nation people) in unseren Krankenhäusern in Québec haben", sagte er in einem auf der CBC-Webseite veröffentlichten Videoausschnitt. 

Er räumte jedoch ein, dass es einen gewissen Rassismus in Québec gebe. "Wir arbeiten daran", fügte er hinzu. Im Sommer hatte er ein Anti-Rassismus-Komitee einberufen. 

Der britische Sender BBC berichtete, dieser Fall sei der jüngste einer Serie, die Fragen über systemischen Rassismus gegen Kanadas Ureinwohner aufwerfe.

Reuters berichtet aktuell, dass der Fall in Kanada mittlerweile eine Welle der Kritik und Proteste ausgelöst hat. Auch der Premierminister des Landes, Justin Trudeau (48), äußerte sich jetzt laut BBC und sprach von der "schlimmsten Form von Rassismus". 

Die Ermittlungen dauern an. 

Titelfoto: YouTube/Screenshot/CBC News: The National

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