Dresdner Kampfsport-Lehrer angeklagt: Im Gericht flossen Tränen

Dresden - Die Soko "Tatami" brachte ihn zu Fall. Ab dem heutigen Montag muss sich Aikido-Trainer Thomas (50) (Künstlername Max) vor der Jugendschutzkammer am Landgericht Dresden verantworten.

Der Angeklagte am Montag vor dem Landgericht Dresden.
Der Angeklagte am Montag vor dem Landgericht Dresden.  © Ove Landgraf

Dem Kampfsportler werden mehr als 50 Fälle des sexuellen Missbrauchs an seinen Schützlingen vorgeworfen. Zehn Kinder und Jugendliche sind betroffen.

Jahrelang trainierte der Aikido-Meister an Schulen, organisierte Trainingslager. Kollegen schätzen ihn, Eltern lobten seine umsichtige Jugendarbeit. Doch laut Anklage verging er sich seit Herbst 2012 an seinen Schülern.

Demnach befummelte er die Opfer, fasste ihnen ans Geschlecht, hatte Oralverkehr mit ihnen. Schon im Frühjahr 2018 gab es Anzeigen, doch die verliefen im Sande. 

Erst als im Sommer 2019 weitere Anzeigen vorlagen, reagierten die zuständigen Stellen. Die Soko kam zur Hausdurchsuchung, seit Herbst sitzt er in U-Haft. 

Die Fahnder ermittelten ein Opfer nach dem anderen.

Einige aber bleiben namenlos. Doch sie werden in der Anklage aufgelistet, weil zumindest Bilder der Taten vorhanden sind. Die soll der Täter aufgenommen haben.

Unter anderem wegen der Fotos könnte der Nachweis am Landgericht erleichtert werden. Denn bisher schweigt der Angeklagte. 

Sollte er auch im Prozess nichts sagen, droht den Opfern, aussagen zu müssen. Aber vielleicht bricht Thomas H. endlich sein Schweigen und erspart so weiteres Leid. 

Ein Urteil ist für Juli geplant.

Update 10.38 Uhr: Angeklagter erscheint vor Gericht

Zum Prozessauftakt kamen zahlreiche Zuschauer. Eltern von Schülern des Aikido-Trainers, Bekannte, Wegbgeleiter. Als die Justizwachtmeister Thomas H. in Handschellen in den Hochsicherheitssaal brachten, brachen einige in Tränen aus.

Thomas H. selbst wirkte sehr gefasst.

Gleich zum Prozessauftakt, brachte die Oberstaatsanwältin eine weitere Anklage mit. Auch in dieser wird Thomas H. Missbrauch eines Schülers vorgeworfen. Damit erhöht sich die Zahl der bekannten Opfer auf elf.

Der Aikido-Lehrer wurde zwischenzeitlich von der JVA Dresden nach Leipzig verlegt. Diese "Sicherheitsverlegung" wurde nötig, weil ein Mitarbeiter vom Dresdner Knast sich außer Stande sah, seinen Dienst zu verrichten, wenn Thomas H. dort hinter Gittern ist. "Er ist Vater eines Jungen, der von H. trainiert wurde. Allerdings ist dieses Kind nicht unter den Opfern", so Jürgen Saupe, Verteidiger des Angeklagten.

Thomas H. kündigte an, sich geständig einlassen zu wollen, um seinen Opfern Aussagen, bei Gericht zu ersparen.

Titelfoto: Ove Landgraf

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