"Im Ganzen misslungen": Jurist kritisiert Missbrauchsgutachten zum Erzbistum Köln

Köln - Der Jurist Matthias Jahn hat ein Gutachten zum Umgang des Erzbistums Köln mit Missbrauchsvorwürfen kritisiert. Das Gutachten sei "nicht gerichtsfest" und "im Ganzen misslungen", sagte Jahn am Montag in einer vom Erzbistum Köln organisierten Videokonferenz.

Kardinal Rainer Maria Woelki will das Gutachten nicht veröffentlichen.
Kardinal Rainer Maria Woelki will das Gutachten nicht veröffentlichen.  © Andreas Arnold/dpa

Das Gutachten war ursprünglich vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in Auftrag gegeben worden. Die Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl sollte ergründen, wie das Erzbistum in der Vergangenheit mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs durch Priester umgegangen war. 

Am Freitag hatte Woelki jedoch mitgeteilt, dass er das Gutachten nicht veröffentlichen will. Begründung: Es weise erhebliche methodische Mängel auf. 

Bekannt geworden ist bereits, dass der heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße in dem Gutachten kritisch beurteilt wird. Westpfahl Spilker Wastl weist die Vorwürfe zurück.

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Der Kölner Strafrechtsexperte Björn Gercke hat von Woelki nun den Auftrag erhalten, bis Mitte März ein neues Gutachten zu erstellen. 

Gercke bestritt in der Videokonferenz, dass es bei der ganzen Aktion darum gehe, die ans Licht gekommenen Missstände zu vertuschen. Sein Gutachten werde ebenfalls kritisch ausfallen. 

"Ich habe das dem Kardinal ins Gesicht gesagt: Das Gutachten wird für das Erzbistum ungemütlich werden", sagte Gercke.

Titelfoto: Andreas Arnold/dpa

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