Vergewaltigungsvorwurf am Staatstheater kommt vor Amtsgericht

Karlsruhe - Das Amtsgericht Karlsruhe wird nun doch über den Vergewaltigungsvorwurf am Badischen Staatstheater entscheiden.

Außenaufnahme des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe.
Außenaufnahme des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe.  © Uli Deck/dpa

Nach einem Beschluss des Landgerichts wurde die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen.

Damit kann das Hauptverfahren eröffnet werden, sagte eine Sprecherin des Landgerichts am Mittwoch. Zuerst hatten die Badischen Neusten Nachrichten berichtet.

Das Amtsgericht hatte ein Verfahren gegen einen Mitarbeiter des Theaters, der nicht zur Führungsebene des Hauses gehört, zunächst mangels hinreichenden Tatverdachts abgelehnt.

Dagegen hatte die Staatsanwaltschaft Beschwerde vor dem Landgericht eingelegt - mit Erfolg.

Terminiert ist das Verfahren noch nicht, wie eine Sprecherin des Amtsgerichts sagte.

Update 18.39 Uhr: Land und Stadt Karlsruhe wollen Spuhlers Abgang

Lange hatte man an ihm festgehalten, nun sind die Tage von Peter Spuhler offenbar gezählt: Der umstrittene Generalintendant des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe soll nach dem Willen des Wissenschaftsministeriums und der Stadt Karlsruhe im Sommer 2021 gehen. Dafür soll Spuhlers eigentlich bis Ende August 2026 geltender Vertrag für eine dritte Intendanz "in gegenseitigem Einvernehmen" aufgelöst werden, wie Land und Stadt als Träger des Hauses am Mittwoch mitteilten. Spuhler steht seit Monaten wegen seines angeblich autoritären Verhaltens in der Kritik.

Endgültig entscheiden muss jedoch der Verwaltungsrat des Badischen Staatstheaters, an dessen Spitze Ministerin Theresia Bauer (Grüne) als Vorsitzende steht. Vize-Vorsitzender ist Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD). «Land und Stadt als Träger werden den Verwaltungsrat um Zustimmung bitten», den Vertrag für Spuhlers dritte Intendanz aufzulösen, hieß es weiter. Spuhler habe sein grundsätzliches Einverständnis zu diesem Vorgehen erklärt. Sein Vertrag war erst 2019 einstimmig verlängert worden.

Die Vorwürfe gegen den Chef des Karlsruher Hauses mit rund 850 Mitarbeitern schwelen seit Mitte des Jahres. Unter anderem waren in einem offenen Brief des Personalrates Missstände angeprangert worden wie "Kontrollzwang, beständiges Misstrauen, cholerische Ausfälle" seitens Spuhlers. Es herrsche ein toxisches Arbeitsklima, hatte es darin geheißen. Rund 300 Mitarbeiter demonstrierten seinerzeit für einen Neuanfang. Der Personalrat wurde nach eigenen Angaben von der Nachricht am Mittwoch überrascht, zeigte sich aber erleichtert, dass nun ein Schlusspunkt gesetzt werde.

Das Haus war auch wegen angeblicher Belästigungen in die Schlagzeilen geraten. Wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung gegen einen Mitarbeiter des Hauses, der nicht der Führung des Theaters angehört, steht ein Verfahren vor dem Amtsgericht Karlsruhe bevor.

Nach der massiven Kritik an seiner Person hatte sich Spuhler entschuldigt und Besserung gelobt. Der Verwaltungsrat hatte zur Enttäuschung von Personalrat, Orchester- und Chorvorstand zunächst an ihm festgehalten. Seine Weiterbeschäftigung sei die "beste Lösung für das Haus", wie Bauer damals nach mehreren Krisengesprächen noch versicherte. Unter anderem wurden ein Vertrauensanwalt für Mitarbeiter eingesetzt und regelmäßige Befragungen der Belegschaft beschlossen.

Ruhe kehrte aber auch über die Sommerpause im Staatstheater nicht ein. Das Vertrauen sei zerstört, die Stimmung schwanke zwischen Resignation und Hoffnung, hieß es aus Theaterkreisen. "Für uns ist es gar nicht nachvollziehbar, dass Spuhler sich noch ins Haus traute. Aber er tat es", hieß es von dort.

Nun wollen Land und Stadt doch die Notbremse ziehen, das Theater muss aber noch ein gutes halbes Jahr mit Spuhler zusammenarbeiten. Das Staatstheater selbst wollte sich nicht äußern und verwies nach Worten eines Sprechers auf die Sitzung des Verwaltungsrates, der man nicht vorgreifen wolle. Zu einer möglichen Nachfolge für Spuhler gab es vonseiten des Ministeriums keinen Kommentar.

Der Personalrat betonte, das Allerwichtigste sei nun der Zukunftsprozess. Die alten, extrem hierarchischen Strukturen müssten aufgebrochen und mehr Teilhabe und Transparenz ermöglicht werden. Änderten sich die Strukturen nicht, bekomme man unter neuer Intendanz im schlechtesten Fall das gleiche Problem wieder, hieß es.

Titelfoto: Uli Deck/dpa

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