Kindesmissbrauch vertuscht? Neue Details sollen Erzbischof Heße entlasten

Köln – Im Zusammenhang mit den Vertuschungsvorwürfen gegen den Hamburger Erzbischof Stefan Heße (54) gibt es neue Erkenntnisse. Es geht um die Frage, ob ein des Kindesmissbrauchs verdächtigen Pfarrer die Tat im Gespräch mit Heße gestanden hatte.

Stefan Heße (54) ist seit 2015 Erzbischof von Hamburg.
Stefan Heße (54) ist seit 2015 Erzbischof von Hamburg.  © Daniel Bockwoldt/dpa

Das Erzbistum Köln hat in dem Fall einige zusätzliche Informationen veröffentlicht. Demnach existiert aus dem Jahr 2010 eine handschriftliche Notiz zu einem Gespräch mit dem verdächtigen Pfarrer. Dieses Gespräch fand damals im Kölner Generalvikariat statt.

Bei einem Teil der handschriftlichen Notiz handele es sich um die Mitschrift einer Anhörung des Pfarrers durch den damaligen Personalchef Stefan Heße. Der Inhalt sei allerdings "überwiegend schlecht lesbar", teilte das Erzbistum Köln mit.

Soweit man den Text bisher transkribiert habe, gebe es keine Hinweise darauf, dass der Pfarrer in dem damaligen Gespräch ein Geständnis abgelegt habe.

Vielmehr habe Heße in einer Anhörung durch die Staatsanwaltschaft 2010 ausgesagt, dass der Pfarrer die Vorwürfe ihm gegenüber bestritten habe.

Gegen den heute 69 Jahre alten Priester läuft eine Anklage wegen sexuellen Missbrauchs seiner minderjährigen Nichten in den 90er Jahren.

Fall wurde 2019 auf Anordnung Woelkis neu aufgerollt

Der Fall wurde auf Anordnung von Kardinal Rainer Maria Woelki (64, r.) erneut aufgerollt. Erzbischof Stefan Heße (54, l.) ist wegen des Verdachts der Vertuschung in Bedrängnis geraten.
Der Fall wurde auf Anordnung von Kardinal Rainer Maria Woelki (64, r.) erneut aufgerollt. Erzbischof Stefan Heße (54, l.) ist wegen des Verdachts der Vertuschung in Bedrängnis geraten.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Die Frage ist nun, ob der Pfarrer die Vorwürfe 2010 kirchenintern bereits zugegeben hatte und ob dies dann vertuscht wurde. Heße – seit 2015 Erzbischof von Hamburg – bestreitet entschieden jede Form der Vertuschung.

2011 sei das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen den Pfarrer eingestellt worden, weil die Betroffenen von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hätten.

Daraufhin habe der damalige Kölner Erzbischof Joachim Meisner die zuvor erfolgte Beurlaubung des Pfarrers zurückgenommen und ihm 3000 Euro Anwaltskosten erstattet.

Der Fall war nunmehr kirchenintern noch einmal aufgerollt worden, weil der neue Kardinal Rainer Maria Woelki (64) angeordnet hatte, auch ältere Verdachtsfälle noch einmal zu überprüfen.

2019 wurde der verdächtige Pfarrer von Woelki beurlaubt. Die mutmaßlichen Opfer zeigten sich bereit, ihre ursprünglichen Aussagen zu wiederholen.

Darüber habe der zuständige Beauftragte des Erzbistums die Kölner Staatsanwaltschaft informiert, die ihre Ermittlungen wieder aufgenommen habe, so das Erzbistum. Diese Ermittlungen führten in diesem Jahr zur Anklage.

Titelfoto: Daniel Bockwoldt/dpa

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