Pädosexuelle klauen Hunderttausende private Kinderfotos von Facebook und Instagram

Hamburg - Hunderttausende Kinderfotos von Facebook und Instagram landen in den Händen von Pädosexuellen. Diese erschreckende Zahl ergab eine Recherche von Panorama und STRG_F.

Eltern sollten private Kinderfotos lieber nicht öffentlich teilen. (Symbolbild)
Eltern sollten private Kinderfotos lieber nicht öffentlich teilen. (Symbolbild)  © Torsten Dederichs/Unsplash

Eigentlich ist es doch harmlos: Eltern wollen mit Freunden und Familie Momente mit ihrem Nachwuchs teilen und laden Fotos und Videos auf sozialen Netzwerken hoch. Andere machen bei Kinderfoto-Challenges mit und veröffentlichen ältere Bilder von sich.

Doch leider gelangen solche privaten Fotos auch massenhaft auf Seiten mit Missbrauchsdarstellungen. Es sind keine Einzelfälle. Erstmals lassen die Recherchen des ARD-Politikmagazins Panorama und des investigativen NDR-Reportageformats STRG_F die Dimensionen erahnen.

Die Journalisten haben dazu mehrere Millionen Fotos per Software analysieren lassen. Auf einer der größten illegalen Plattformen für Pädosexuelle soll demnach mindestens jedes vierte Bild ursprünglich von Facebook oder Instagram stammen, teilte der NDR am Donnerstag mit.

"Häufig werden die Aufnahmen obszön kommentiert, manchmal nennen die Täter auch Namen und Alter des Kindes und verlinken sogar die ursprünglichen Social-Media-Profile", heißt es in der Mitteilung.

Triggerwarnung: Sexuelle Gewalt an Kindern

Pädosexuelle bedienen sich bei privaten Fotos auf Instagram und Facebook. (Symbolbild)
Pädosexuelle bedienen sich bei privaten Fotos auf Instagram und Facebook. (Symbolbild)  © Yui Mok/PA Wire/dpa

Als Beispiel nennt der NDR ein Video, in dem zwei Jungs Verstecken spielen. Die Pädosexuellen kommentierten, sie stellen sich Analsex mit den Kindern vor. Unter das Bild eines Mädchens bei einer Turnübung, das von der Seite eines sächsischen Sportvereins gestohlen wurde, schreibt ein Nutzer: "Diesen Blick hat sie auch, wenn ich ihn ihr bis zum Anschlag reinschieben würde."

Die meisten Eltern ahnen nichts vom Foto-Missbrauch. In mehreren Fällen konnten sie von den Journalisten ausfindig gemacht werden. Als die Eltern mit den Recherche-Ergebnissen konfrontiert wurden, zeigten sie sich erschüttert und löschten teilweise ihre Social-Media-Profile.

Staatsanwältin Julia Bussweiler von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) rät dazu, gar keine Bilder von Kindern und Jugendlichen offen ins Internet zu stellen. Die Ermittlungsbehörden wissen von dem Foto-Missbrauch, können aber nur dagegen vorgehen, wenn es strafrechtlich relevante Kommentare gibt. An sich seien die Bilder nicht strafbar, Betroffene können aber das Recht am eigenen Bild geltend machen.

Die sozialen Netzwerke erscheinen relativ hilflos in der Angelegenheit. Auf den Missbrauch angesprochen, verwiesen Facebook und Instagram auf Privatsphäre-Einstellungen. Außerdem würde das Herunterladen gegen die Netzwerk-Richtlinien verstoßen.

Die Panorama-Sendung über die erschreckenden Recherchen sendet "Das Erste" am Donnerstag um 21.45 Uhr. Auf dem YouTube-Kanal von STRG_F folgt am Dienstag, 27. April, ab 17 Uhr ein Beitrag.

Titelfoto: Montage: Torsten Dederichs/Unsplash, Yui Mok/PA Wire/dpa

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