"Super-Gau": Kölner Kardinal Woelki hält Gutachten über Missbrauch unter Verschluss

Köln – Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) will das von ihm in Auftrag gegebenen Missbrauchsgutachten einer Münchner Anwaltskanzlei nicht veröffentlichen. Er begründete dies am Freitag in einer Pressemitteilung mit erheblichen Mängeln, die das Gutachten aufweise.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) verhindert die Veröffentlichung eines mit Spannung erwarteten Missbrauchsgutachtens.
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) verhindert die Veröffentlichung eines mit Spannung erwarteten Missbrauchsgutachtens.  © Oliver Berg/dpa

Das Gutachten sollte untersuchen, wie die Verantwortlichen im Erzbistum Köln in der Vergangenheit mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gegen Priester umgegangen sind.

Durchgesickert ist bereits, dass das Gutachten die Rolle des früheren Personalchefs Stefan Heße (54) kritisch beurteilt. 

Gegen ihn gibt es Vertuschungsvorwürfe. Heße ist heute Erzbischof von Hamburg.

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Statt des ursprünglichen Gutachtens will Woelki bis zum 18. März 2021 eine "vollständige Neufassung der Untersuchung" veröffentlichen. "Die Zusammenarbeit mit der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl wird beendet. 

Das Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl wird nicht veröffentlicht", heißt es in der Mitteilung.

Die Münchner Kanzlei sei "wiederholt an ihrem Versprechen und am Anspruch der Betroffenen sowie des Erzbistums gescheitert, eine umfassende Aufarbeitung der Ereignisse und persönlichen Verantwortlichkeiten in Form eines rechtssicheren und belastbaren Gutachtens zu erreichen".

Der Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln stehe hinter dieser Entscheidung.

Heftige Kritik an Woelkis Entscheidung: "Ein dunkler Tag für das Erzbistum Köln"

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller (59) bezeichnete die Entscheidung Woelkis als "Super-Gau für das Erzbistum Köln und alle involvierten Beteiligten".

Schüller sagte der Deutschen Presse-Agentur, man könne die Kritik an dem Münchner Gutachten nur dann valide juristisch bewerten, wenn man es im Wortlaut nachlesen könne. Das sei ein Gebot der Fairness.

"Auf dem Rücken der Opfer werden gutachterliche Fechtereien inszeniert, die die Aufklärung von Verantwortlichkeit im Erzbistum Köln verschleppen und verzögern", kritisierte Schüller. "Ein dunkler Tag für das Erzbistum Köln und den Kölner Kardinal Woelki und ein bitterer Tag für die Opfer."

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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