Vatikan will Missbrauchsgutachten einsehen, Gutachter halten Benedikt-Dementi für "wenig glaubwürdig"

Rom/München - Der Vatikan will in den kommenden Tagen detailliert auf das für das Erzbistum München und Freising veröffentlichte Missbrauchsgutachten blicken. Die Studie listet mindestens 497 Opfer sexueller Übergriffe auf.

Ulrich Wastl von der Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl stellt das Gutachten zu Fällen von sexuellem Missbrauch im katholischen Erzbistum München und Freising vor.
Ulrich Wastl von der Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl stellt das Gutachten zu Fällen von sexuellem Missbrauch im katholischen Erzbistum München und Freising vor.  © Sven Hoppe/dpa Pool/dpa

Man werde es einsehen und könne dann angemessen die Details prüfen, erklärte der Sprecher des Heiligen Stuhls, Matteo Bruni, am Donnerstag.

"Im Bekräftigen des Gefühls der Schande und der Reue für den von Geistlichen begangenen Missbrauch an Minderjährigen sichert der Heilige Stuhl allen Opfern seine Nähe zu und bestätigt den eingeschlagenen Weg für den Schutz der Kleinsten, indem ihnen ein sicheres Umfeld garantiert wird", hieß es weiter.

In dem am Donnerstag veröffentlichten Gutachten wird unter anderem dem emeritierten Papst Benedikt XVI. (94) Fehlverhalten in seiner Zeit als Erzbischof in dem Bistum angelastet.

Mädchen (8) auf Spielplatz missbraucht: DNA-Spur führt Polizei zum Täter
Missbrauch Mädchen (8) auf Spielplatz missbraucht: DNA-Spur führt Polizei zum Täter

Laut einem am Donnerstag vorgestellten Missbrauchsgutachten ist der emeritierte Papst Benedikt XVI. 1980 als Erzbischof von München und Freising bei einer brisanten Sitzung anwesend gewesen.

In dieser Sitzung wurde entschieden, dass ein bekanntermaßen pädophiler Priester aus Essen in das Erzbistum München übernommen und wieder in der Seelsorge eingesetzt werde.

Benedikt, der damalige Kardinal Joseph Ratzinger, bestreitet dies und versichert, er habe an der Sitzung nicht teilgenommen.

Gutachter halten Benedikt-Dementi für "wenig glaubwürdig"

Der Gutachter Ulrich Wastl präsentierte jedoch eine Kopie des Sitzungsprotokolls, wonach Ratzinger durchaus teilnahm.

Demnach berichtete er in der Sitzung unter anderem von Gesprächen mit Papst Johannes Paul II.

Er halte Benedikts Angabe, er sei in dieser Sitzung nicht anwesend gewesen, für "wenig glaubwürdig", sagte Wastl. Der übernommene Priester missbrauchte anschließend erneut Kinder.

Benedikt lebt seit seinem Rücktritt in einem Kloster im Vatikan.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa Pool/dpa

Mehr zum Thema Missbrauch: