Woelki will Missbrauchs-Gutachten nun doch öffnen, aber nicht für Jeden

Köln – Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) will das von ihm zurückgehaltene Missbrauchsgutachten "für interessierte Einzelpersonen, insbesondere Betroffene oder Journalisten" zugänglich machen.

Kardinal Rainer Maria Woelki (64) hat angekündigt, das zurückgehaltene Missbrauchsgutachten für Einzelne nun doch zu öffnen.
Kardinal Rainer Maria Woelki (64) hat angekündigt, das zurückgehaltene Missbrauchsgutachten für Einzelne nun doch zu öffnen.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Dies solle nach der Veröffentlichung des von ihm in Auftrag gegebenen neuen Gutachtens "im rechtlich möglichen Rahmen" geschehen, teilte das Erzbistum Köln am Freitagabend mit.

Woelki hatte ursprünglich ein Gutachten bei der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl in Auftrag gegeben. Die Kanzlei sollte den Umgang des Erzbistums mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Priester untersuchen.

Nachdem die Kanzlei das Gutachten fertiggestellt hatte, beschloss Woelki aber, es doch nicht zu veröffentlichen. Dafür führte er rechtliche Bedenken an und verwies auf den Rat hinzugezogener Juristen, die dem Gutachten methodische Mängel anlasteten.

Die Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl wies das zurück. Woelki beauftragte stattdessen einen Kölner Strafrechtler damit, ein neues Gutachten zu erstellen. Es soll im März fertig werden.

Kardinal Woelki muss sich heftigen Vorwürfen stellen

Diese Entscheidung Woelkis hat eine tiefe Krise im größten deutschen Bistum ausgelöst. Woelki sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, hohe katholische Funktionsträger schützen zu wollen, die in dem ursprünglichen Gutachten belastet werden.

Durchgesickert ist bereits, dass die Gutachter von Westpfahl Spilker Wastl die Rolle des heutigen Hamburger Erzbischofs Stefan Heße - ehemals Personalchef in Köln - kritisch bewerten. Heße hat ebenso wie Woelki alle Vorwürfe bestritten.

Westpfahl Spilker Wastl hat mittlerweile ein ähnlich gelagertes Gutachten für das Bistum Aachen veröffentlicht und dafür in der Öffentlichkeit viel Lob geerntet.

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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