Doku zum Mordfall Ayleen: So machte der Mörder sein Opfer per Handy gefügig

Gießen - In der dreiteiligen Dokumentation "Mörder im Chat - Der Fall Ayleen" gibt das Erste bislang unbekannte Einblicke in den Mord an der 14-jährigen Schülerin.

Ihr Mörder hatte Ende April 2022 Kontakt zu Ayleen aufgenommen, nachdem sie eine Story bei Snapchat gepostet hatte. (gestellte Szene)  © HR/TimelineTV/Alex Kraus

Unter anderem wird aufgezeigt, wie der damals 29-jährige Jan-Heiko P. Kontakt zu der Jugendlichen aufnahm und sie schließlich so beeinflussen konnte, dass sie zu ihm ins Auto stieg und ihrem Tod entgegenfuhr.

So hatte P. Ende April 2022 auf eine Story von Ayleen auf Snapchat reagiert. "Interesse an einem Sugardaddy?", fragte er die 14-Jährige, woraus sich schnell ein reger Kontakt auch über WhatsApp entwickelte.

P. sei schon kurze Zeit später zur Sache gekommen. Er stellte Ayleen sexualisierte Fragen aus einem eigens für solche Gelegenheiten angefertigten Katalog und forderte auch eindeutige Fotos von der 14-Jährigen, sagt Oberkommissarin und die mit dem Fall betraute Daten-Ermittlerin Lara Nohl in der Doku.

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Auch habe P. laut dem zuständigen Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger ein Regelwerk für Ayleen erstellt.

"Du gelobst mir in jeder Hinsicht vollständigen und unabdingbaren Gehorsam" oder "Du stellst mir deinen Körper jederzeit und an jedem Ort zur Verfügung", habe er von ihr verlangt. Damit sei Ayleen komplett überfordert gewesen.

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Jan-Heiko P. wurde 2023 zu lebenslanger Haft verurteilt. Außerdem ordnete das Gericht Sicherungsverwahrung für ihn an.  © Boris Rössler/dpa

Jan-Heiko P. hatte Ayleen komplett in seiner Hand

Kriminalhauptkommissar Marc Schneider und Kriminaloberkommissarin Lara Nohl ermittelten für das Polizeipräsidium Mittelhessen im Mordfall Ayleen.  © HR/TimelineTV/David Kar

Er habe sie komplett in der Hand gehabt, sagt Kommisarin Nohl. Immer wieder habe die Jugendliche versucht, sich dem Einfluss ihres späteren Mörders zu entziehen.

Dann habe dieser sie aber mit Drohungen wieder gefügig gemacht; etwa indem er ankündigte, sich ihren Eltern zu offenbaren und ihnen Ayleens intime Fotos zukommen zu lassen.

Schließlich habe er das Mädchen so dazu gezwungen, einem Treffen am 21. Juli 2022 zuzustimmen. Kurz vor diesem Termin - ihrem Todestag - soll sie vehement durch Nachrichten versucht haben, das Zusammentreffen doch noch zu verhindern - vergeblich.

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P. fuhr von seinem Arbeitsplatz bei einer Sicherheitsfirma in Frankfurt am Main zu Ayleens Heimatort Gottenheim nahe Freiburg. Dort erwartete er die 14-Jährige am Bahnhof.

"Ich will nicht!", schrieb sie ihm ein letztes Mal, doch ihr späterer Mörder drohte erneut: "Soll ich deine Eltern informieren? Deinem Vater alles sagen?"

Laut Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger hatte Jan-Heiko P. ein Regelwerk für sein Opfer erstellt, an welches sie sich halten musste.  © HR/TimelineTV/David Kar

"Ich will nicht", schrieb Ayleen, aber ihr Mörder ließ sich nicht abwimmeln

So ergab sich Ayleen ihrem Schicksal, sagte ihrer Mutter, sie wolle einen zuvor geliehenen Hoodie zu einem Freund bringen und stieg schließlich zu P. ins Auto.

Mit ihm fuhr sie in dessen mittelhessische Heimat, wo P. sie bei dem Versuch, sie zu vergewaltigen, erwürgte. Am 29. Juli fanden Ermittler die Leiche im nahe gelegenen Teufelssee.

Am kommenden Montag wird die dreiteilige Doku um 23.30 Uhr im hr-Fernsehen gezeigt, schon jetzt ist sie in der ARD-Mediathek zu sehen.

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