"Gewalt-Orgie": Lange Haftstrafen für grausamen Foltermord in Flüchtlingsheim

Bonn – Im Prozess um einen Foltermord in einem Flüchtlingsheim in Lohmar (Rhein-Sieg-Kreis) will das Bonner Landgericht am Montag (12 Uhr) das Urteil gegen die beiden Angeklagten sprechen.

Die beiden Angeklagten sollen in einem Flüchtlingsheim in Lohmar einen Nordafrikaner mehrere Stunden gefoltert und dann ermordet haben.
Die beiden Angeklagten sollen in einem Flüchtlingsheim in Lohmar einen Nordafrikaner mehrere Stunden gefoltert und dann ermordet haben.  © Roberto Pfeil/dpa

Die 28 und 29 Jahre alten Männer aus Marokko sollen im vergangenen Juli einen Mitbewohner in seinem Zimmer in der städtischen Unterkunft in Lohmar über mehrere Stunden gefesselt und gefoltert haben.

Den Tatort verließen sie laut Anklage mit einem Paar Turnschuhe und einem Handy des Opfers.

Der 45-jährige Nordafrikaner verblutete langsam und qualvoll. Bei der Obduktion wurden später fast 200 Hautverletzungen über den ganzen Körper festgestellt.

Der ältere Angeklagte hatte ausgesagt, dass der 45-Jährige ausgerastet sei, nachdem er entdeckt habe, dass einer der beiden Angeklagten ihm 150 Euro und 10 Gramm Haschisch geklaut habe. Daraufhin sei er mit einem Tischbein und einem Messer auf sie losgegangen.

Der Staatsanwalt hatte für den älteren Angeklagten lebenslange Haft wegen Mordes mit besonderer Schwere der Schuld gefordert.

Für den jüngeren Angeklagten, der zur Tatzeit wegen massiven Drogenkonsums vermindert schuldfähig gewesen sein soll, plädierte er auf 14 Jahre Haft.

Update, 15.27 Uhr: Lebenslange Haft für Angeklagten nach Foltermord in Flüchtlingsheim

Im Prozess um einen Foltermord in einem Flüchtlingsheim in Lohmar (Rhein-Sieg-Kreis) hat das Bonner Landgericht die beiden Angeklagten (28, 29) zu langen Haftstrafen verurteilt.
Im Prozess um einen Foltermord in einem Flüchtlingsheim in Lohmar (Rhein-Sieg-Kreis) hat das Bonner Landgericht die beiden Angeklagten (28, 29) zu langen Haftstrafen verurteilt.  © Alexander Franz

Im Prozess um einen Foltermord in einem Flüchtlingsheim in Lohmar (Rhein-Sieg-Kreis) hat das Bonner Landgericht einen Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ein Mittäter wurde zu elf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt - wegen seines massiven Drogen- und Alkoholkonsums galt er zur Tatzeit als vermindert steuerungsfähig. Beide Angeklagte wurden am Montag wegen Mordes durch grausame Begehungsweise verurteilt.

Die beiden Täter hatten ihr Opfer über mehrere Stunden gefesselt und malträtiert. Unter anderem schlugen sie mit einem Tischbein mehr als 20 Mal auf den Schädel des Opfers ein. Das Gesicht war danach völlig entstellt.

Selbst für die Erfahrung eines Schwurgerichts handle es sich um einen besonders schrecklichen Fall, hieß zu Beginn der Urteilsbegründung. Ein Beamter habe den ersten Eindruck am Tatort mit den Worten beschrieben: "Das war Folter." Alles sei voller Blut gewesen. Die Angeklagten hatten sich im Prozess in großen Teilen auf Erinnerungslücken berufen.

Über die Gründe, warum der Mann so grauenvoll zugerichtet wurde, konnte das Gericht nur spekulieren. Selbst wenn die Angeklagten - wie einer der beiden erklärt hatte - mit einem Messer angegriffen worden seien, könne man bei dieser "Gewaltorgie" nicht von Notwehr sprechen. "Die beiden Menschen, die hier sitzen", hieß es im Urteil, "hatten Spaß am Töten."

Der Vorsitzende der Kammer sagte zudem, dass auch Frust nicht auszuschließen sei. Die Angeklagten hätten zuvor erfahren, dass ihre Asylanträge abgelehnt worden seien. Danach hätten sie das spätere Opfer getroffen und zwei Tage lang getrunken und Drogen genommen, bis "etwas furchtbar schief gelaufen" sei.

Nach dem Urteil erklärten beide Verteidiger, dass sie in Revision gehen werden.

Titelfoto: Roberto Pfeil/dpa

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