"Sie hatte keine Chance": Schüler sagt im Mordprozess nach Bus-Attacke aus

Kempten - Zum Auftakt des Mordprozesses nach einer tödlichen Messerattacke in einem Linienbus im Allgäu hat der Angeklagte zu den Vorwürfen geschwiegen.

Eine Mitarbeiterin der Kripo geht im Juli 2020 auf den am Straßenrand stehenden Linienbus zu. Vor anderen Passagieren hat ein Mann in dem Bus seine getrennt lebende Ehefrau erstochen.
Eine Mitarbeiterin der Kripo geht im Juli 2020 auf den am Straßenrand stehenden Linienbus zu. Vor anderen Passagieren hat ein Mann in dem Bus seine getrennt lebende Ehefrau erstochen.  © Benjamin Liss/dpa

Vor dem Kemptener Landgericht ließ der 38-Jährige durch seinen Verteidiger am Dienstag nach Verlesung der Anklageschrift erklären, dass er sich nicht zur Sache äußern werde.

Dem Mann wird vorgeworfen, im Juli 2020 in Obergünzburg (Landkreis Ostallgäu) mit einem Küchenmesser mehrfach auf seine damals getrennt lebende Ehefrau eingestochen und sie so getötet zu haben. Mehrere Schüler hatten den Angriff im Bus miterlebt.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft war Rache das Motiv für die Tat. Dem Mann mit afghanischer Staatsbürgerschaft war demnach im Februar 2020 verboten worden, mit seiner Frau Kontakt aufzunehmen.

Er habe sie zuvor geschlagen und gedroht, sie mit einem Messer zu erstechen. In der Folge habe sich der 38-Jährige daran gestört, nicht mehr die Rolle des Familienoberhaupts erfüllen zu können.

Mit einem Urteil ist nach Angaben des Kemptener Landgerichts voraussichtlich Mitte Februar zu rechnen. Bei einer Verurteilung droht dem Mann eine lebenslange Haftstrafe.

Update zur tödlichen Messerattacke im Linienbus, 12.40 Uhr: Zeugen berichten von der Tat

Der Angeklagte sitzt im Landgericht auf der Anklagebank in Kempten.
Der Angeklagte sitzt im Landgericht auf der Anklagebank in Kempten.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Als die Frau mit den gemeinsamen Kindern vom Angeklagten getrennt lebte und ein Kontaktverbot für ihren Ehemann erwirkte, habe dieser einen "erheblichen Groll" entwickelt, so die Staatsanwaltschaft. Er habe sich darüber geärgert, die Rolle des Familienoberhaupts nicht mehr erfüllen zu können.

Der Mann habe befürchtet, deshalb in der afghanischen Gemeinde in Obergünzburg an Ansehen zu verlieren.

Gestützt wurden diese Vorwürfe durch eine Freundin des Opfers. Sie sagte vor Gericht aus, der Angeklagte sei oft eifersüchtig auf seine Frau gewesen und habe diese "verdächtigt", mit anderen Männern zu reden. Zudem habe er sie immer wieder misshandelt und bedroht. Unter anderem habe er den gemeinsamen Kindern gesagt, er werde aus ihr "Hackfleisch machen".

In der Folge habe die Frau oft Angst gehabt, sagte die Zeugin. Sie habe deshalb auch einen längeren Weg zum Bus auf sich genommen, um an einer Haltestelle zu warten, an der mehr Menschen unterwegs sind. Den Angeklagten hätten die beiden Frauen während der Busfahrt nach Obergünzburg auf dem Rückweg vom Deutschkurs in Kempten zwar erkannt, der Angriff selbst habe sie dennoch überrascht.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft plante der Angeklagte genau deshalb eine Attacke in der Öffentlichkeit: Er sei davon ausgegangen, dass sich die Frau im Bus sicher fühlen würde. Mehrere Fahrgäste sagten vor Gericht aus, der Angriff sei von hinten und ohne Vorwarnung erfolgt. "Sie hatte keine Chance", sagte ein Schüler, der den Angriff miterlebt hatte.

Nach Angaben mehrerer Fahrgäste wurde die Attacke erst durch das Einschreiten des Busfahrers beendet. Der 31-Jährige habe den Angreifer überwältigt und aus dem Bus geworfen. Sein Opfer sei zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr ansprechbar gewesen. Wenig später starb die Frau, nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte sie elf Stichwunden erlitten.

Ihr Ehemann wurde nach kurzer Flucht von der Polizei festgenommen und sitzt seit Juli 2020 in Untersuchungshaft.

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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