Um seine Frau zu töten? Mann rast mit Tempo 100 in Lastwagen

Kiel - Mit seiner Frau auf dem Beifahrersitz und den Worten "Jetzt hab ich Dich!" soll ein 71-jähriger Mann aus Rendsburg mit Tempo 100 auf einen Lastwagen aufgefahren sein. 

Mit Tempo 100 war der Mann auf den Laster zugerast. (Symbolbild)
Mit Tempo 100 war der Mann auf den Laster zugerast. (Symbolbild)  © Frank Rumpenhorst/dpa

Laut Anklage absichtlich und ungebremst. Die Ehefrau überlebte schwerverletzt und leidet noch heute an den Unfallfolgen.

Der Rentner muss sich seit Mittwoch vor dem Kieler Landgericht verantworten. 

Die Anklage wirft ihm versuchten Mord vor. Das Tatmotiv: Der Mann habe verhindern wollen, dass die Geschädigte die Hälfte eines gemeinsamen Sparvermögens ausgezahlt bekommt, sagte die Staatsanwältin zu Prozessbeginn.

In einer von seinem Verteidiger verlesenen kurzen Erklärung des Angeklagten war die Tat dagegen ein spontaner Entschluss. 

"Ziel war die Selbsttötung. Das Geld spielte keine Rolle." Ganz anders sah es das Unfallopfer: Sie habe ihn während der Fahrt auf der B 77 in Rendsburg gebeten: "Fahr nicht so schnell", sagte die Frau vor Gericht. 

Ihr Mann habe gelacht, dann habe es geknallt. Das Paar ist seit über 30 Jahren verheiratet. Seine rund sieben Jahre ältere Frau hat sich inzwischen getrennt, die Scheidung läuft.

Um welche Geldbeträge ging es?

Justizbeamte stehen im Gerichtssaal im Landgericht.
Justizbeamte stehen im Gerichtssaal im Landgericht.  © Christian Charisius/dpa

Nach den Schilderungen der Zeugen wurde das Geld offenbar mit der Frühverrentung des Mannes, der jahrzehntelang auf dem Bau arbeitete, zunehmend zur Streitfrage.

Offen blieb am ersten Verhandlungstag, wieviel Euro der Mann hinter einem Schrank in Briefumschlägen versteckte. 

Die Ehefrau nannte 2300 und 2500 Euro, die sie in zwei Briefumschlägen mit einem Besenstiel hinter dem Schrank hervor geangelt habe.

Ihr Sohn sprach dagegen von Beträgen in Höhe von 48.000 Euro und 75.000 Euro. Die Ehefrau will jeweils 500 Euro entnommen haben. Ihr Mann habe sie finanziell kurz gehalten und kein Taschengeld bezahlt.

Deutlich wurde, dass der Beschuldigte unter Tinnitus und angeblichen Störgeräuschen von Nachbarn litt, die aber außer ihm niemand hörte. 

Ein psychiatrischer Gutachter geht in einer vorläufigen Einschätzung davon aus, dass der 71-Jährige zum Unfallzeitpunkt aufgrund einer psychischen Erkrankung vermutlich nicht schuldfähig gewesen sein dürfte. 

Dann würde er nicht verurteilt werden können, sondern dauerhaft in einer psychiatrischen Fachklinik untergebracht. Dort hält er sich zurzeit bereits auf.

Titelfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

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