Kopfschuss-Mord an Walter Lübcke: Geständnisse von Stephan Ernst auf YouTube zu sehen

Frankfurt am Main/Kassel - Ein mutmaßlicher rechtsextremistischer Mörder gesteht seine Bluttat vor laufender Kamera: Das Reportage-Format "STRG_F" des Norddeutschen Rundfunks hat Ausschnitte der beiden einander widersprechenden Geständnisse des mutmaßlichen Lübcke-Mörders Stephan Ernst auf YouTube veröffentlicht.

Das Foto vom 27. Juli zeigt Stephan Ernst, den mutmaßlichen Mörder des CDU-Politikers Walter Lübcke.
Das Foto vom 27. Juli zeigt Stephan Ernst, den mutmaßlichen Mörder des CDU-Politikers Walter Lübcke.  © Thomas Kienzle/AFP-Pool/dpa

"STRG_F" ist Teil des Online-Medienangebots "Funk" der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF.

Die Journalisten Nino Seidel und Julian Feldmann sagen in dem YouTube-Video, dass sie sich zur Veröffentlichung der Geständnisse entschlossen hätten, da es sich ihrer Überzeugung nach um ein zeitgeschichtliches Dokument handele.

Gegen Stephan Ernst läuft aktuell ein Prozess vor dem Landgericht Frankfurt, er ist der Hauptangeklagte. Verhandelt wird der Mord an dem CDU-Politiker Walter Lübcke. Der Regierungspräsident von Kassel war im Juni 2019 auf der Terrasse seines Wohnhauses mit einem Kopfschuss getötet worden (TAG24 berichtete).

Ernst, so die Anklage, soll ihn aus rechtsradikalen Motiven heraus getötet haben – Walter Lübcke hatte sich für die Aufnahme von Flüchtlingen engagiert und war deshalb im Internet massiv angefeindet worden (TAG24 berichtete).

"STRG_F" wurden angeblich die Videoaufzeichnungen der zwei Geständnisse von Stephan Ernst zugespielt. Es handelt sich offenbar um die Aufnahmen, die auch in dem Prozess gegen Ernst in Frankfurt gezeigt wurden.

Wichtig ist dabei: Im ersten Geständnis bezichtigt sich der Rechtsradikale selbst des Mordes. In den Ausschnitten auf YouTube ist dies deutlich zu hören. "Ich habe auf Kopfhöhe gehalten und dann abgedrückt" lautet die zentrale Aussage des Verdächtigen.

Dieses erste sehr detailreiche Geständnis wurde jedoch von Stephan Ernst widerrufen.

Ermittler halten zweites Geständnis von Stephan Ernst offenbar für unglaubwürdig

Das Foto zeigt den Tatort: Das Wohnhaus von Walter Lübcke bei Kassel.
Das Foto zeigt den Tatort: Das Wohnhaus von Walter Lübcke bei Kassel.  © Swen Pförtner/dpa

Das YouTube-Video zeigt auch Ausschnitte des zweiten Geständnisses von Stephan Ernst.

Darin schildert er den Tod von Walter Lübcke als Unfall. Den Schuss soll demnach der zweite Angeklagte im Lübcke-Prozess, Markus H. abgefeuert haben.

Die Ermittler halten dieses zweite Geständnis des Verdächtigen jedoch für wenig glaubwürdig. Dies wird aus den Aussagen eines Ermittlungsrichters deutlich, die ebenfalls in dem YouTube-Video zu hören sind.

Der Richter spricht von einem "Fundamentalwiderspruch", da Ernst erst einen Mord gestehe und dann das Ganze später als bloßen Unfall darstelle.

"Diese Punkte, die sie heute geschildert haben, überzeugen mich persönlich nicht", sagte der Ermittlungsrichter in dem Video zu Stephan Ernst nach dessen zweitem Geständnis.

Welche der beiden so unterschiedlichen Versionen des Tatgeschehens der Wahrheit am nächsten kommt, wird wohl erst der Prozess vor dem Landgericht Frankfurt ans Licht bringen.

Titelfoto: Thomas Kienzle/AFP-Pool/dpa

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