Mordfall Walter Lübcke: Stephan Ernst gesteht tödlichen Kopfschuss vor Gericht

Kassel/Frankfurt am Main - Spektakuläre Wendung im Prozess zu dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU). Der Hauptangeklagte Stephan Ernst hat die Tat vor Gericht gestanden.

Das Foto vom 28. Juli zeigt Stephan Ernst, den Hauptangeklagten im Mordfall Walter Lübcke.
Das Foto vom 28. Juli zeigt Stephan Ernst, den Hauptangeklagten im Mordfall Walter Lübcke.  © Boris Roessler/dpa

Er habe den tödlichen Schuss auf den CDU-Politiker abgefeuert, ließ der 46-Jährige am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Frankfurt über seinen Anwalt erklären.

Walter Lübcke war im Juni 2019 auf der Terrasse seines Wohnhauses bei Kassel mit einem Kopfschuss getötet worden (TAG24 berichtete).

Der Rechtsextremist Stephan Ernst soll Lübcke wegen dessen Engagement für Flüchtlinge getötet haben. Er ist daher der Hauptangeklagte in dem Prozess in Frankfurt am Main.

Das heutige Geständnis von Stephan Ernst ist bereits das Dritte in Folge.

Kurz nach der Tat hatte der Verdächtige den Mord an Walter Lübcke gegenüber der Polizei gestanden. Später widerrief er dieses Geständnis.

In einer zweiten Aussage stellte er den Tod des Kasseler Regierungspräsidenten dann als Unfall dar und bezichtigte den Mitangeklagten im Lübcke-Prozess, Markus H., den tödlichen Schuss abgegeben zu haben.

Markus H. wird der Beihilfe beschuldigt. H. sei am Tatort dabei gewesen, sagte Ernst nun vor Gericht.

Beide Aussagen wurden kürzlich in einem Video auf YouTube veröffentlicht (TAG24 berichtete).

Das Foto zeigt den Tatort: Das Wohnhaus von Walter Lübcke im Landkreis Kassel.
Das Foto zeigt den Tatort: Das Wohnhaus von Walter Lübcke im Landkreis Kassel.  © Swen Pförtner/dpa

Grund für erneutes Geständnis von Stephan Ernst ist rätselhaft

Warum Ernst sich nun wieder zur Tat bekennt, war zunächst unklar. Zu Prozessbeginn hatte der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel die Angeklagten zu einem Geständnis aufgefordert: "Hören Sie nicht auf Ihre Verteidigung, hören Sie auf mich", sagt er. Ein frühzeitiges und von Reue getragenes Geständnis helfe immer.

Während des zweiten Geständnisses war Ernst von dem Rechtsanwalt Frank Hannig vertreten worden. Dieser wurde vergangene Woche auf Antrag des zweiten Verteidigers Mustafa Kaplan als Pflichtverteidiger abberufen (TAG24 berichtete).

Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte dazu erklärt: Die Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses zwischen Ernst und Hannig sei nachvollziehbar.

Titelfoto: Boris Roessler/dpa

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