Mordprozess in München ohne Leichen: "Es ist die Hölle"

München - Am Landgericht München I beginnt am Montag 9 Uhr ein Mordprozess um das spurlose Verschwinden einer Frau und ihrer Tochter vor mehr als einem Jahr. 

Seit über einem Jahr fehlen von der Frau und ihrer damals 16-jährigen Tochter jede Spur. (Archivbild)
Seit über einem Jahr fehlen von der Frau und ihrer damals 16-jährigen Tochter jede Spur. (Archivbild)  © -/Polizeipräsidium München/dpa

Die Staatsanwaltschaft macht den Ehemann der Frau und den Stiefvater des damals 16 Jahre alten Mädchens für das Verschwinden der beiden verantwortlich. 

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Deutsch-Russe zuerst im Streit seine Frau tötete und danach die Tochter ermordete, um die Tat zu verschleiern. Er ist wegen Totschlags und Mordes angeklagt.

Die Leichen der beiden wurden aber bis heute nicht gefunden. Bei Suchaktionen - unter anderem in einem Waldstück - entdeckten Polizisten eine Fußmatte und einen Teppich mit Blutspuren. 

Das Landgericht München I hat 27 Verhandlungstage angesetzt, das Urteil könnte dann Anfang März 2021 fallen.

Update 10.40 Uhr: Angeklagter bestreitet Vorwürfe im Prozess um verschwundene Frauen

Der Angeklagte sitzt zum Prozessauftakt an seinem Platz im Landgericht München I.
Der Angeklagte sitzt zum Prozessauftakt an seinem Platz im Landgericht München I.  © Britta Schultejans/dpa

Im Mordprozess um das spurlose Verschwinden einer Mutter und ihrer Tochter aus München vor mehr als einem Jahr hat der angeklagte Stiefvater am Montag alle Vorwürfe bestritten. 

"Das, was mir vorgeworfen wird, dazu habe ich überhaupt keinen Bezug", sagte der 45 Jahre alte Deutsch-Russe zum Prozessauftakt am Landgericht München I. "Außerdem gehe ich davon aus, dass die Mädchen immer noch leben – zumindest meine Frau." 

Die Gründe für seine Annahme wollte er nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit darlegen, weil "sonst eine Bedrohung für die beiden Frauen" entstehen könne. Das Gericht lehnte das ab. Für den Ausschluss der Öffentlichkeit gebe es keine Grundlage.

Die Blutspuren sind nach Angaben des Angeklagten darauf zurückzuführen, dass Mutter und Tochter am Tag ihres Verschwindens so heftig stritten, dass sie sich gegenseitig blutige Wunden zugefügt hätten. 

Bei der Polizei hatte er noch angegeben, die Stimmung zwischen den beiden Frauen sei vor ihrem Verschwinden gut und sie auf dem Weg zum Shoppen gewesen.

Update 15.20 Uhr: Vater im Mordprozess um vermisste Frauen: "Es ist die Hölle"

Im Mordprozess um das spurlose Verschwinden einer Mutter und ihrer Tochter aus München hat der Ex-Mann und leibliche Vater des Mädchens die verzweifelte Suche nach seiner Tochter geschildert. 

"Ich habe alle Register gezogen, um meine Tochter zu finden", sagte der Vater am Montag als Zeuge vor Gericht. Er habe Freunde und Bekannte abtelefoniert und versucht, die Handys zu orten. 

"Es ist die Hölle natürlich, ich habe meine Tochter verloren."

Der Mann tritt als Nebenkläger in dem Prozess gegen den neuen Ehemann seiner Ex-Frau auf, den die Staatsanwaltschaft für das Verschwinden der Beiden verantwortlich macht. 

Der leibliche Vater der bei ihrem Verschwinden 16-Jährigen sagte vor Gericht aus, das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter sei nach der Heirat mit dem Angeklagten schlechter geworden. Dass die beiden einfach so verschwunden sein könnten, sei nicht vorstellbar. Seine Ex-Frau sei sehr zuverlässig und habe jeden Tag bei ihrem Vater in Moskau angerufen, zu dem sie ein sehr enges Verhältnis gehabt habe. 

Nach dem 13. Juli hat auch der Vater in Moskau nichts mehr von seiner Tochter und der Enkelin gehört.

Titelfoto: Bildmontage: Polizeipräsidium München/dpa, Britta Schultejans/dpa

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