Nach 23 Jahren in der Todeszelle: Unschuldiger Mann kommt frei!

Skippack - Ein Mann in Pennsylvania wurde des Mordes für schuldig erklärt. 23 Jahre lang saß er in einer Todeszelle, vollkommen unschuldig

Ein Häftling steht in einem vergitterten Fenster in einer Zelle im Gefängnis (Symbolbild).
Ein Häftling steht in einem vergitterten Fenster in einer Zelle im Gefängnis (Symbolbild).  © Felix Kästle/dpa

Am Freitag verließ Walter Ogrod nach über 23 Jahren das Gefängnis in Skippack. Er hatte die Strafe für ein Verbrechen abgesessen, welches er niemals begangen hatte.

Wie die Zeitung The Guardian berichtet, wurde Ogrod angeklagt, seine damals 4-jährige Nachbarin Barbara Jean Horn im Juli 1988 ermordet zu haben. Zum damaligen Zeitpunkt war der Mann 23 Jahre alt. Rund vier Jahre später, im Jahr 1992, gestand Ogrod die Tat vor Gericht.

Ogrod hat Autismus. Sein Anwalt befürchtete, dass die ermittelnden Detektive sein Tatgeständnis erzwungen hatten. Mehrere Zeugen berichteten zuvor, dass die TV-Box, in der die Leiche des ermordeten Kindes gefunden wurde, von einem Mann auf der Straße abgelegt worden war, der überhaupt nicht wie Ogrod aussah.

Dennoch wurde Ogrod im Jahr 1996 zum Tode verurteilt. Im Gefängnis beteuerte Ogrod mehrfach seine Unschuld. Obwohl viele Medien über den Fall berichteten, wurde dieser nicht neu aufgerollt. 

Erst in diesem Jahr fand ein DNA-Test heraus, dass Ogrod definitiv nicht der Mörder sein konnte. Doch er hatte bereits 28 Jahre seines Lebens an diesem Prozess verloren, wovon er 23 hinter den Gittern der Todeszelle verbrachte.

Die Mutter der getöteten Barbara forderte: "Lasst ihn frei!"

Die Todeszelle des berüchtigten Huntsville-Gefängnisses in Texas. Im Jahr 2018 wurden nach Angaben von Amnesty International weltweit so wenige Hinrichtungen dokumentiert wie zuletzt vor zehn Jahren.
Die Todeszelle des berüchtigten Huntsville-Gefängnisses in Texas. Im Jahr 2018 wurden nach Angaben von Amnesty International weltweit so wenige Hinrichtungen dokumentiert wie zuletzt vor zehn Jahren.  © Paul Buck/EPA/dpa

Obwohl der DNA-Test Ogrods Unschuld unterstützte, kam er zunächst nicht frei. Durch das Coronavirus verzögerte sich die Anhörung des Gerichts. Zudem kam das gesamte Gefängnis unter Quarantäne, als sich mehrere Wärter sowie Insassen infizierten. Ogrod eingeschlossen.

Schließlich gab die Mutter der getöteten Barbara, Sharon Fahy, ein öffentliches Statement ab. "Mr. Ogrod ist unschuldig. Es ist keine Frage, dass er sofort aus dem Gefängnis entlassen werden sollte. Meine Tochter kommt nie wieder nach Hause. Ich möchte Gerechtigkeit für sie, nicht einen geschlossenen Fall mit einer unschuldigen Person im Gefängnis."

Zwei Familien seien bislang zerstört wurden. Ogrod im Gefängnis zu lassen, würde den wahren Mörder niemals zur Gerechtigkeit führen.

Am Freitag war es, auch aufgrund des Drängens der Öffentlichkeit, endlich soweit. Über Zoom verkündete das Gericht den Freispruch des heute 55-Jährigen. Ogrod wurden nicht nur 28 Jahre seines Lebens gestohlen, fast wäre er auf falschen Annahmen hingerichtet wurden.

Sein Anwalt James Rollins gab gegenüber Reportern an, dass Ogrod zwar sehr erschöpft, aber glücklich sei, wieder in Freiheit gehen zu dürfen. Sein erster Stopp soll der BBQ von Verwandten in deren Hinterhof sein.

Der Rechtsanwalt Wood entschuldigte sich nicht nur bei Ogrod, sondern auch bei Fahy. Jahrelang hatte diese nicht die Wahrheit über die Umstände des Todes ihrer Tochter gekannt. Denn Barbara sei letztlich erstickt. Ogrod sei auf der Annahme hin verurteilt worden, dass er sie mit einer Metallstange erschlagen habe. Die Vertuschung dieser Details und die wahrscheinlich mutmaßlich hingenommene Verurteilung eines Unschuldigen führt nun zu allerlei Diskussionen.

Die Verurteilung zum Tode ist im Bundesstaat Pennsylvania nicht unüblich. Jedoch wird die Vollstreckung des Urteils nur selten ausgeführt. Seit 1976 wurden lediglich drei Exekutionen durchgeführt. 

Titelfoto: Felix Kästle/dpa

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