Nach Dreifach-Mord in Dänischenhagen: Anklage gegen Zahnarzt erhoben

Kiel - Sechs Monate nach den tödlichen Schüssen auf drei Menschen hat die Kieler Staatsanwaltschaft am Montag Mordanklage gegen einen Zahnarzt aus Westensee erhoben.

Polizisten untersuchen ein Haus in Dänischenhagen bei Kiel, in dem im Mai zwei Tote gefunden wurden.
Polizisten untersuchen ein Haus in Dänischenhagen bei Kiel, in dem im Mai zwei Tote gefunden wurden.  © Axel Heimken/dpa

Der Mann soll seine Frau, deren neuen Bekannten und einen weiteren Mann erschossen haben. Seine Frau habe der 47-Jährige "wegen der Trennung und den Mann wegen einer Beziehung zu der Ehefrau bestrafen wollen", sagte Oberstaatsanwalt Michael Bimler am Montag.

Das dritte Opfer, ein Bekannter des Beschuldigten in Kiel, soll der Zahnarzt "für das Scheitern seiner Ehe verantwortlich gemacht haben".

Alle Opfer wurden dabei anscheinend "so überraschend angegriffen, dass diesen keine Gelegenheit blieb, zu fliehen oder sich sonst gegen den Angriff zu schützen oder diesen abzuwehren", sagte Bimler. Keines der Opfer habe mit einem Angriff auf sein Leben gerechnet.

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"Wir gehen von hinreichendem Tatverdacht für drei Morde und den Mordmerkmalen Heimtücke und niedrige Beweggründe aus", sagte Bimler.

Außerdem legt die Anklagebehörde dem Zahnarzt Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz zur Last.

Dreifach-Mörder stellte sich am Abend der Tat in Hamburg

Die Polizei suchte im Nord-Ostsee-Kanal nach Waffenteilen.
Die Polizei suchte im Nord-Ostsee-Kanal nach Waffenteilen.  © Axel Heimken/dpa

Die 43 Jahre alte Ehefrau, die sich von ihrem Mann getrennt hatte, und ihr zehn Jahre älterer Bekannter starben den Angaben zufolge am 19. Mai 2021 gegen 11 Uhr in dessen Einfamilienhaus in Dänischenhagen. Sie seien mit Schüssen aus einer Maschinenpistole vom Typ Uzi getötet worden.

Nachbarn hatten die Schüsse gehört und die Polizei alarmiert. Auf der Suche nach dem Täter löste die Polizei einen Großeinsatz mit Hubschrauber auch in Kiel aus, wo angeblich der Fluchtwagen gesehen worden sein soll. Das dritte Opfer, ein Elektriker, wurde mit einer Pistole in Kiel erschossen.

Am Abend stellte sich der Zahnarzt in Hamburg der Polizei. Dort gab er den Angaben zufolge an, nach ihm werde gefahndet. Zugleich habe er auf den dritten Toten hingewiesen, den 52 Jahre alten Elektriker. Seither schweigt er.

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Die Pistole, mit der er den Elektriker erschossen haben soll, hatte er in Hamburg noch bei sich.

Die Maschinenpistole, mit der er seine Frau und deren Bekannten getötet haben soll, legte er nach eigenen Angaben in Kiel-Düsternbrook im Garten eines Freundes ab.

Freund zerlegte die Waffe in Einzelteile und versenkte sie im Nord-Ostsee-Kanal

Dieser Mann gestand, er habe die Waffe zerlegt und Einzelteile unter anderem im Nord-Ostsee-Kanal versenkt.

Dort spürten Polizeitaucher etliche Teile wieder auf. Gegen den Mann laufen ebenfalls Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, sagte Bimler.

"Drei Tote, zwei Tatorte an einem Tag", sagte Bimler, das habe es seines Wissens bislang noch nicht in Kiel gegeben. Jetzt seien die Verteidigung und das Schwurgericht am Zug. Ob der Prozess noch in diesem Jahr starten kann, ist unklar.

Titelfoto: Axel Heimken/dpa

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