Folter gegen Verdächtige? Verteidigung erhebt Vorwürfe im Fall des Dreifachmord-Prozesses

Starnberg/München - Im Prozess um den mutmaßlichen Dreifachmord in Starnberg erhebt die Verteidigung eines der beiden Angeklagten Foltervorwürfe gegen die Ermittler.

Zuerst ging man bei dem Fall in Starnberg von einem erweiterten Suizid aus, inzwischen ermittelt die Polizei wegen dreifachem Mord.
Zuerst ging man bei dem Fall in Starnberg von einem erweiterten Suizid aus, inzwischen ermittelt die Polizei wegen dreifachem Mord.  © Lino Mirgeler/dpa

Es geht dabei um die Vernehmung des Hauptangeklagten. Dieser hatte laut Polizei die Tat gestanden und einen Komplizen benannt.

In einem Schreiben an das Landgericht München II fordern nun die Anwälte des angeblichen Komplizen, diese Aussage nicht als Beweismittel zuzulassen.

Die "angeblich gewonnenen Informationen beruhen auf verbotenen Vernehmungsmethoden", heißt es darin.

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Die Anwälte werfen der Polizei "Erniedrigung, Quälerei und Misshandlung" vor, wie Rechtsanwalt Alexander Stevens mitteilte. Eine Stellungnahme der Polizei lag am Sonntag auf Anfrage zunächst nicht vor.

"Die Zelle war dunkel, abgesehen von einer Neonlampe", schreiben die Anwälte weiter. Der Angeklagte, der ihren mitangeklagten Mandanten in seiner Aussage belastete, sei "entweder ganz nackt oder nur mit einer Unterhose bekleidet und darüber hinaus lediglich notdürftig mit einer braunen Decke" versorgt gewesen.

Aufgrund einer schweren Neurodermitis habe der junge Mann "blutige Stellen am gesamten Körper" gehabt.

Vernehmungen zur Vertuschung nicht aufgezeichnet?

Die Vernehmung des 21 Jahren alten Deutschen, bei der er nach Polizeiangaben gestand hatte, seinen Freund und dessen Eltern in deren Haus in Starnberg erschossen zu haben, wurde nach Angaben Stevens' nicht aufgezeichnet.

Dadurch habe "die Folter (...) offensichtlich kaschiert werden" sollen.

Stevens und seine Kollegen verteidigen in dem Aufsehen erregenden Kriminalfall den slowakischen Mitangeklagten (20), der den mutmaßlichen Haupttäter zum Haus der Familie gefahren und nach der Tat wieder abgeholt haben soll.

Titelfoto: Lino Mirgeler/dpa

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