Sechs Menschen in Rot am See erschossen: Mordprozess beginnt

Ellwangen - Weil er seine Eltern, Halbgeschwister und zwei weitere Verwandte erschossen haben soll, muss sich ein 27-Jähriger von Montag (9 Uhr) an vor dem Landgericht Ellwangen verantworten.

24. Januar: Ein Polizeiauto steht vor dem Haus in Rot am See, wo mehrere Menschen getötet wurden.
24. Januar: Ein Polizeiauto steht vor dem Haus in Rot am See, wo mehrere Menschen getötet wurden.  © Tom Weller/dpa

Dem Angeklagten wird Mord und versuchter Mord vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft soll der Deutsche Ende Januar in Rot am See (Kreis Schwäbisch Hall) 30 Schüsse auf seine Familie abgegeben haben (TAG24 berichtete).

Ein Onkel und eine Tante konnten sich verletzt retten. Der mutmaßliche Täter hatte selbst die Polizei gerufen und war daraufhin festgenommen worden. 

Angebliche Misshandlungen seiner Mutter und Halbschwester sollen ihn zu der Tat getrieben habe.

Für den Prozess soll auch ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben werden. Möglicherweise liege eine paranoide Schizophrenie vor, hieß es von der Staatsanwaltschaft. 

Insgesamt sind sieben Verhandlungstage für das Verfahren angesetzt.

Ein Urteil könnte am 10. Juli fallen.

Angeklagter spricht im Prozess von Reue nach Gewalttat

Der Angeklagte sitzt während des Prozessauftakts um die Gewalttat in Rot am See vor dem Landgericht Ellwangen im Gerichtssaal.
Der Angeklagte sitzt während des Prozessauftakts um die Gewalttat in Rot am See vor dem Landgericht Ellwangen im Gerichtssaal.  © Sebastian Gollnow/dpa

Der Angeklagte bereut nach eigenen Angaben seine Tat zumindest in Teilen. "Ich wünschte, ich hätte es nicht getan", sagte der 27-Jährige. Er sprach aber auch von "großen Unterschieden, was das Ausmaß der Reue angeht". 

So habe ihn seine Mutter vergiftet und misshandelt. "Meine Mutter hat für mich mein Leben zerstört." Aber er habe etwa gleich nach der Tat bereut, seinen Vater erschossen zu haben.

Darüber hinaus hatte der Angeklagte nach eigenen Angaben unmittelbar nach der Tat mit dem Gedanken gespielt, sich selbst umzubringen.

Nachdem er seine Verwandten erschossen hatte, habe er über Selbstmord nachgedacht, sagte der 27-Jährige. Er habe sich seine Waffe an den Kopf gehalten. Er habe den Gedanken aber schnell verworfen, weil er gemerkt habe, dass er nicht den Mumm habe, abzudrücken. Deshalb habe er dann den Notruf alarmiert.

In einer ausführlichen Einlassung berichtete der Angeklagte, wie er seine sechs Verwandten getötet hat. "Da habe ich auf alles geschossen, was sich bewegt hat." Der Angeklagte sprach dabei selbst von Mord. Zwei weitere Familienmitglieder wurden bei der Gewalttat schwer verletzt.

Rache-Motiv war vorherrschend

Der Angeklagte hat vor der Tat nach eigenen Angaben in einem Zustand von Angst und Abschottung gelebt. So habe er die meiste Zeit in seinem Zimmer im Elternhaus verbracht und vor dem PC gesessen, sagte der 27-Jährige am Montag zum Auftakt des Verfahrens in Ellwangen. 

Er habe dort Überwachungskameras installiert, stets seine Tür abgeriegelt und die Telefonate seiner Eltern abgehört - er wollte nach eigenen Angaben verhindern, dass seine Mutter ihn vergiftet. Zudem habe er nachts die Zimmertür mit einem schweren Balken und einer Infrarot-Alarmschranke gesichert, damit sie ihn nicht im Schlaf töte. "Ich habe allen Menschen um mich herum misstraut", sagte er.

Der 27-Jährige gab am Montag an, dass seine Mutter ihm immer wieder Substanzen ins Essen gemischt und ihn mit weiblichen Hormonen vergiftet habe. Deshalb habe er sie getötet. "Das Rache-Motiv war vorherrschend", sagte er.

Mutter habe Angeklagten misshandelt

Zum Auftakt des Prozesses hat der Angeklagte ein leidvolles Bild seiner Kindheit gezeichnet. Zum Verhältnis zu seiner Mutter sagte er am Montag: "Sie hat mich auch damals schon misshandelt, auch wenn ich das als Kind nicht verstanden habe." Er sei bis zum Ende der Grundschule Bettnässer gewesen und habe bis zum Alter von etwa 9 oder 10 Jahren Windeln getragen, gab der 27-Jährige an. Die Mutter habe ihn wegen seines Geschlechts verspottet. Die Mutter habe sich zudem gewünscht, dass er ein Mädchen sei und habe ihm weibliche Hormone verabreicht.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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