Messer-Mord an 13-Jährigem: War es eine Bluttat aus Eifersucht?

Sinsheim - Nachdem ein 13-Jähriger in Sinsheim (Baden-Württemberg) Opfer eines Gewaltverbrechens wurde, hat sich die Polizei am Donnerstag in einer Pressekonferenz zu dem Fall geäußert.

Siegfried Kollmar, Leiter der Kriminalpolizei, am Donnerstag.
Siegfried Kollmar, Leiter der Kriminalpolizei, am Donnerstag.  © Sebastian Gollnow/dpa

Die Bluttat vom Mittwoch in Sinsheim-Eschelbach liege "wie ein Schatten über unserer Stadt", so OB Jörg Albrecht (parteilos) am Donnerstagnachmittag.

Die Bevölkerung habe bewegt reagiert. Das Opfer ging laut Rathauschef zunächst auf das Gymnasium, wechselte vor einem halben Jahr auf die Realschule.

Das Leben des 13-Jährigen endete am Mittwoch an einem Waldrand.

Welches Bild sich den eintreffenden Beamten bot, beschrieb Siegfried Kollmar, Leiter der Heidelberger Kripo. Auf dem Feldweg fanden die Polizisten demnach den toten 13-Jährigen "mit Blutantragungen".

Daneben zwei Personen: Der 14 Jahre alte Tatverdächtige und ein "strafunmündiges Kind".

Der Tatverdächtige hatte Blutspuren an der Kleidung, hielt ein Küchenmesser in der Hand. Laut Kollmar musste der Minderjährige nicht überwältigt werden, ließ nach Aufforderung die mutmaßliche Tatwaffe fallen.

Näheres zu dem strafunmündigen Kind wollte der Kripochef nicht sagen. Es gebe jedoch Anhaltspunkte, dass eine Tatbeteiligung des Kindes vorliegen könnte. Eventuell auch unter Druck des Tatverdächtigen.

Tödliche Messerstiche: Es geht um Mord

Östringen, 23. November 2020: Einsatzkräfte an der Thomas-Morus-Realschule.
Östringen, 23. November 2020: Einsatzkräfte an der Thomas-Morus-Realschule.  © Julian Buchner / Einsatz-Report24

Als Motiv der Bluttat steht Eifersucht im Raum. Möglicherweise ging es um ein Mädchen. Und bei dem "strafunmündigen Kind" handelt es sich möglicherweise um eben jenes Mädchen. Weitere Details gab es jedoch mit Verweis auf das Alter des Kindes nicht.

Fest steht: Der 13-Jährige wurde unter einem Vorwand zum Feldweg gelockt. Man sei ein Stück gemeinsam gegangen. Dann kam es zur Bluttat.

Es gab wohl einen kurzen Kampf. Dann folgten die tödlichen Stiche. Wie viele, wollte Kollmar nicht sagen. Man gehe aber davon aus, dass es eine geplante Tat war. Es geht also um Mord.

"Wir gehen davon aus, dass das Mordmerkmal der Heimtücke vorliegen könnte", erläutert der leitende Oberstaatsanwalt, Andreas Herrgen, am Nachmittag vor Journalisten. Im Falle einer Verurteilung drohten laut Jugendstrafrecht maximal zehn Jahre Jugendstrafe.

Sowohl Opfer als auch der mutmaßliche Täter sind Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund.

Nachdem man der Familie des getöteten Jungen die schreckliche Nachricht überbracht hatte, habe man ein Auge auf die Situation gehabt, so Kollmar. Zwar habe man auf mögliche Racheakte keine Hinweise gehabt, die Angehörigen des Toten hätten jedoch sehr emotional reagiert, rasch seien viele Familienmitglieder zusammengekommen. Doch es sei ruhig geblieben.

Gegen den 14-Jährigen wurde derweil Haftbefehl erlassen. Er befindet sich in Untersuchungshaft. Angaben zu den Vorwürfen habe er bislang keine gemacht.

Der Tatverdächtige ist im Gegensatz zu dem Getöteten und dem strafunmündigen Kind bei der Polizei kein Unbekannter: Im November vergangenen Jahres stach er (damals 13) auf einen gleichaltrigen Mitschüler in der Thomas-Morus-Realschule in Östringen (Kreis Karlsruhe) ein. Das Opfer überlebte.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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