Urteil erwartet: Mann fühlt sich in Ehre verletzt und versucht Ex-Partner der Halbschwester umzubringen

Mannheim - Im Fall eines versuchten Mordes aus gekränkter Ehre will das Landgericht Mannheim am Mittwoch (9 Uhr) sein Urteil gegen den angeklagten Mittzwanziger verkünden.

In Mannheim muss sich ein Mann wegen versuchten Mordes verantworten. (Symbolbild)
In Mannheim muss sich ein Mann wegen versuchten Mordes verantworten. (Symbolbild)  © Uwe Anspach/dpa

Dieses war ursprünglich für Mitte April vorgesehen, musste aber wegen eines Beweisantrages der Verteidigung verschoben werden. 

Die Rechtsanwälte hatten die Vernehmung der Schwester des Opfers verlangt. Sie soll vor der Urteilsverkündung noch befragt werden.

Der Angeklagte, der nach eigenen Angaben aus Jordanien stammt, hat nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft versucht, den 13 Jahre älteren Ex-Partner seiner Halbschwester umzubringen. 

Grund: Der Mann hatte Fotos seiner Ex-Freundin an deren streng gläubige Verwandtschaft in Jordanien geschickt. 

Da die Frau ohne Kopftuch und im T-Shirt aufgenommen worden war, fühlten sich die Angehörigen in ihrer Ehre gekränkt.

Auch der in Deutschland lebende Halbbruder der jungen Frau meinte, die Familienehre wiederherstellen zu müssen - mit der Attacke gegen den früheren Freund seiner Halbschwester, wie die Staatsanwaltschaft es darstellt. 

Staatsanwaltschaft hat heftige Freiheitsstrafe beantragt

Der lebensgefährlich Verletzte konnte wegen des Eingreifens einer Spaziergängerin am Tatort bei der Burgruine Windeck in Weinheim fliehen.

Die Staatsanwaltschaft hat beantragt, den in Rüsselsheim gemeldeten Angeklagten wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und neun Monaten zu verurteilen.

Die Verteidigung hat darauf plädiert, den bereits wegen Körperverletzung Vorbestraften der gefährlichen Körperverletzung schuldig zu sprechen und eine milde Strafe zu verhängen.

Update: 15.20 Uhr

Viereinhalb Jahre Haft

Das Landgericht Mannheim hat den Angeklagten zu viereinhalb Jahren Haft wegen gefährlicher Körperverletzung aus gekränkter Ehre verurteilt. 

Die Strafkammer sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der Angeklagte im vergangenen Juli einen 38-Jährigen mit einem Teppichmesser und Steinen attackiert hatte.

Der Version des Angeklagten, er habe sich gegen den 38-jährigen Ex-Partner seiner Halbschwester verteidigen müssen, schenkte das Gericht keinen Glauben. 

Die Staatsanwaltschaft hatte auf sieben Jahre und neun Monate wegen versuchten Mordes plädiert. Die Verteidigung sah die gefährliche Körperverletzung als gegeben an und legte das Strafmaß in das Ermessen des Gerichts. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Titelfoto: Uwe Anspach/dpa

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