Mord an Walter Lübcke: Ex-Verteidiger Hanning schweigt zu Vorwürfen eines erfundenen Geständnisses

Frankfurt am Main/Kassel - Der frühere Verteidiger des Hauptangeklagten im Mordfall Walter Lübcke, Frank Hannig, hat die Aussage als Zeuge angesichts einer drohenden Strafverfolgung wegen eines mutmaßlich erfundenen Geständnisses fast komplett verweigert.

Das Foto vom 28. Juli zeigt den Hauptangeklagten Stephan Ernst (l.) und seinen damaligen Verteidiger Frank Hannig.
Das Foto vom 28. Juli zeigt den Hauptangeklagten Stephan Ernst (l.) und seinen damaligen Verteidiger Frank Hannig.  © Boris Roessler/dpa

"Eine Verfolgungsgefahr liegt hier ohne jeden Zweifel vor", sagte sein Rechtsanwalt Alfred Dierlamm vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Dienstag.

Hannig war dort als Zeuge geladen. Er berief sich jedoch zu Beginn der Verhandlung auf ein umfassendes Aussageverweigerungsrecht.

Der Angeklagte Stephan Ernst hatte in dem Prozess den tödlichen Schuss auf den CDU-Politiker Walter Lübcke eingeräumt, nachdem er im Januar noch den Mitangeklagten Markus H. beschuldigt hatte. 

Zu dieser falschen Behauptung habe ihn Hannig veranlasst, erklärte Ernst. Die juristischen Konsequenzen für Hannig sind noch unklar. 

Allerdings sah auch das Oberlandesgericht ein, dass Hannig sich mit einer Aussage selbst belasten könnte.

Der Dresdener Rechtsanwalt äußerte sich nur zu der Frage, wie er an das Mandat gekommen sei, Ernst zu vertreten.

Demnach rief ihn ein unbekannter Angestellter der Justizvollzugsanstalt Kassel an. Dort saß Ernst nach seiner Verhaftung.

Er soll den Kasseler Regierungspräsidenten in der Nacht auf den 2. Juni 2019 vor Lübckes Wohnhaus in Nordhessen mit einem Kopfschuss getötet haben (TAG24 berichtete). Der Generalbundesanwalt geht von rechtsextremen Motiven aus.

Titelfoto: Boris Roessler/dpa

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