Ermittlungen nach Verwahrlosung: Droht Chef der Seniorenresidenz Schliersee die Kündigung?

Schliersee - Dem Betreiber der in die Schlagzeilen geratenen Seniorenresidenz Schliersee steht womöglich eine Kündigung bevor.

Ein Schild mit der Aufschrift "Seniorenresidenz Schliersee" steht vor der Einrichtung in Oberbayern.
Ein Schild mit der Aufschrift "Seniorenresidenz Schliersee" steht vor der Einrichtung in Oberbayern.  © Peter Kneffel/dpa

Die Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände in Bayern (ARGE) will den Vertrag beenden, wie eine Sprecherin am Dienstag mitteilte.

Der Leiter des Heimes, Robert Jekel, betonte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur allerdings, eine Kündigung liege ihm nicht vor. Er kündigte eine Stellungnahme an.

Eine ARGE-Sprecherin sagte dagegen: "Die ARGE beabsichtigt, den bestehenden Versorgungsvertrag für die Pflegeeinrichtung Seniorenresidenz Schliersee für den Bereich der vollstationären Pflege außerordentlich zum 31.08.2021 zu kündigen."

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Die Kündigung werde "mit der Verletzung der gesetzlichen und vertraglichen Verpflichtungen begründet – nachgewiesen durch die wiederholt festgestellten schwerwiegenden Risiken und Defizite bei den Qualitätsprüfungen".

Der Heimbetreiber habe noch bis Ende Mai die Möglichkeit, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Dann solle die endgültige Entscheidung fallen.

Staatsanwaltschaft ermittelt nach Missständen in oberbayerischem Pflegeheim

Ende März war nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft München II wegen Verdachts auf Körperverletzungsdelikte bei 88 Bewohnern des Heimes ermittelt.

Einige seien verwahrlost und unterernährt gewesen, sagte eine Sprecherin der Anklagebehörde damals. Zudem würden 17 Todesfälle untersucht. Der derzeitige Leiter der Seniorenresidenz, Jekel, wies die Vorwürfe zurück. Er hatte die Stelle erst nach Beginn der Ermittlungen angetreten. In dem Heim hatte es 2019 einen Betreiberwechsel gegeben, laut Landratsamt richteten sich Vorwürfe teils gegen einen vorangegangenen Betreiber.

Die Zustände in dem Heim sollten am Nachmittag auch Thema im Gesundheitsausschuss des bayerischen Landtags sein.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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