Tödliches Sex-Treffen: Angeklagter schweigt über Tod von Nathalie M. († 23)

Schleswig/Flensburg - Es war ein Verbrechen, das im vergangenen Jahr bundesweit für Aufsehen sorgte: Eine junge Frau aus Nordfriesland verschwindet am helllichten Tag.

Der Angeklagte wird mit Schutzbrille, Maske und Handschuhen in den Gerichtssaal geführt.
Der Angeklagte wird mit Schutzbrille, Maske und Handschuhen in den Gerichtssaal geführt.  © Carsten Rehder/dpa Pool/dpa

Zwei Wochen später wird ihre Leiche verscharrt am Rande einer Baumgruppe bei Süderlügum nahe der dänischen Grenze entdeckt. 

Ein 47 Jahre alter Mann soll die 23 Jahre alte Nathalie M. aus Stadum getötet haben. Am Donnerstag hat der Totschlagprozess gegen den angeklagten Deutschen am Landgericht Flensburg begonnen.

Verhandelt wird an diesem ersten Prozesstag nicht in Flensburg, sondern im großen Saal sechs des Oberverwaltungsgerichts in Schleswig. 

Hier tagt die Erste Große Strafkammer des Landgerichts aus Infektionsschutzgründen. Die Corona-Pandemie überschattet auch diesen Prozess. Hier kann der Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen allen Verfahrensbeteiligten und der Öffentlichkeit eingehalten werden. 

Nur wenige Besucher mit viel Abstand zueinander dürfen in den Raum. Die Richter tragen alle einen Mund-Nasen-Schutz. Auch die Staatsanwältin, Verteidiger sowie weitere Prozessteilnehmer und -beobachter verdecken Mund und Nase mit Masken. 

Der in einen hellgrauen Jogginganzug gekleidete Angeklagte hat zusätzlich noch eine Schutzbrille aufgesetzt und Handschuhe angezogen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-Jährigen vor, am 17. August 2019 mit der jungen Frau zu einem abgelegenen Waldweg in Schafflund gefahren zu sein und sie dort getötet zu haben. 

Polizei hatte Angeklagten bereits vor Leichenfund auf dem Schirm

Nathalie M. verschwand spurlos und wurde erst nach Tagen tot gefunden.
Nathalie M. verschwand spurlos und wurde erst nach Tagen tot gefunden.  © Polizei

Zwei Tage zuvor soll er Nathalie M. über eine Datingplattform für käuflichen Sex kontaktiert und sich mit ihr verabredet haben. Zum Tathergang sowie zum möglichen Motiv des Angeklagten ist bisher nichts bekannt. 

Auch die Todesursache ist ungeklärt. Der Mann, der seit dem 29. August in Untersuchungshaft sitzt, schweigt zu den Vorwürfen und will sich nach Angaben seines Verteidigers auch später nicht dazu äußern.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte einen Elektroschocker gegen Nathalie M. einsetzte oder sie damit bedrohte. Und dass die junge Frau zum Tatzeitpunkt vermutlich bereits unbekleidet gewesen sei. 

Nach der Tat soll der damals 46-Jährige in der Nähe des Waldwegs die Ausweisdokumente entsorgt und die Getötete in einer Baumgruppe am Rande eines Feldweges in der Nähe des wenige Kilometer entfernten Orts Süderlügum verscharrt haben. 

Hier wurde zwei Wochen später der Hund eines Spaziergängers auf den abgedeckten Leichnam aufmerksam. Später legten viele Menschen Blumen am Fundort nieder, stellten Kerzen auf.

Bereits zwei Tage vor dem Fund der Leiche war der Resthof des Mannes in einem kleinen Dorf nahe der dänischen Grenze durchsucht worden. Der Mann kam wegen des dringenden Verdachts des Totschlags in Untersuchungshaft.

Freund wusste nichts vom Job als Prostituierte

Polizisten haben die Region um Stadum nach Nathalie M. abgesucht. (Archivbild)
Polizisten haben die Region um Stadum nach Nathalie M. abgesucht. (Archivbild)  © Benjamin Nolte/dpa

Der Freund der Getöteten sagte am Donnerstag als Zeuge aus, dass er die letzte Nachricht von Nathalie am Mittag des Tages ihres Verschwindens erhalten habe. Er selbst sei zu der Zeit auf einem Lehrgang der Bundeswehr in Rheinland-Pfalz gewesen.

Auf seine Nachrichten habe sie sich nicht mehr gemeldet. Daher habe er sich Sorgen gemacht und sei am nächsten Tag zurück nach Nordfriesland gefahren. 

Er beschrieb seine Freundin, die er seit März kannte und mit der er seit einigen Monaten zusammenlebte, als einfühlsamen Menschen.

Er wusste seinen Angaben zufolge zwar, dass sie neben ihrem Job als Kellnerin in einer Art Call-Center arbeitete und dort Kunden zu kostenpflichtigen intimen Chats animierte - allerdings ohne diese zu treffen. 

Dass sie sich über eine weitere Webseite als Prostituierte verdingte, habe er nicht gewusst.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Für die Hauptverhandlung sind zunächst Verhandlungstermine bis Ende Mai angesetzt.

Titelfoto: Carsten Rehder/dpa Pool/dpa, Polizei

Mehr zum Thema Justiz:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0