Körper von Maden befallen: Sohn wegen Totschlags von Vater vor Gericht

Oldenburg – Nach dem Tod seines völlig verwahrlosten Vaters muss sich ein 44-Jähriger seit Dienstag wegen Totschlags und Misshandlung von Schutzbefohlenen beim Landgericht Oldenburg verantworten.

Der Prozess findet vor dem Oldenburger Landgericht statt.
Der Prozess findet vor dem Oldenburger Landgericht statt.  © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sich nicht ausreichend um den bettlägerigen Mann gekümmert zu haben.

Laut Anklage kam der Vater des Angeklagten im Dezember 2015 in lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus - der Mann lag in seinen eigenen Ausscheidungen, sein Körper war von Maden befallen, die Kopfhaut mit dem Kopfkissen verwachsen. Einige Tage später starb er.

Der Angeklagte mit türkischer Staatsbürgerschaft schilderte nach Angaben des Pressesprechers, dass er seinen Vater zehn Jahre lang pflegte. Er habe ihn gemocht und versucht, alles richtig zu machen, sagte er vor Gericht. 

Wenn er die ärztlichen Berichte lese, werde ihm aber klar, dass er wohl Fehler gemacht habe. Da der 44-Jährige am ersten Prozesstag zunächst nicht zum Gericht kam, holte ihn die Polizei ab, der Prozess begann mit zweieinhalb Stunden Verspätung.

Neben dem 44-Jährigen ist ein 58-Jähriger angeklagt, der damals Betreuer des pflegebedürftigen älteren Mannes war. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen vor. Demnach hätte der Rechtsanwalt erkennen müssen, in welchem Zustand der ältere Mann war und ärztlichen Rat einholen sollen.

Laut Anklage soll der Betreuer von der Polizei informiert worden sein, dass eine hygienische Pflege des älteren Herren in den Räumlichkeiten nicht möglich sei. Mitte November soll der Betreuer einen Hausbesuch bei dem Mann gemacht haben, auch danach soll er keinen Arzt gerufen haben. 

Der 58-Jährige wies die Vorwürfe zum Prozessauftakt zurück, wie der Gerichtssprecher berichtete.

Titelfoto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

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