62 Cent je Stunde: Pflegerin arbeitete rund um die Uhr zum Billig-Preis!

Dresden/Stuttgart - Sieben Monate lang soll eine 40-Jährige als Altenpflegerin gearbeitet haben - ohne aber ihre Arbeit anzumelden. Verdient hat sie zudem viel zu wenig.

Polizeiautos stehen neben einem Reisebus des Anbieters Flixbus. (Symbolbild)
Polizeiautos stehen neben einem Reisebus des Anbieters Flixbus. (Symbolbild)  © dpa/Christophe Gateau

Bei der routinemäßigen Kontrolle eines Reisebusses auf dem A4-Rastplatz Oberlausitz am gestrigen Dienstagabend gegen 18.10 Uhr kontrollierten Beamte der Bundespolizei mehrere Insassen.

Dabei stießen die Ermittler auf eine Frau (40), die sich bereits seit Februar in Deutschland aufhielt, obwohl ihr ukrainischer Reisepass maximal 90 Tage, also knapp drei Monate, erlaubt. Dies teilte die Bundespolizeiinspektion Ebersbach am heutigen Mittwoch mit. 

Doch damit noch nicht genug: Wie sich bei der anschließenden Befragung herausstellte, war die Dame nicht im Land, um Urlaub zu machen. 

Sie arbeitete in Baden-Württemberg als Pflegerin einer 81-jährigen Frau. Sieben Monate soll sie die Seniorin rund um die Uhr gepflegt und ihren Haushalt geführt haben.

Dafür verdiente sie monatlich 450 Euro. Die gesetzlichen Abgaben wurden nicht gezahlt. Ein Visum oder eine Arbeitserlaubnis hatte die 40-Jährige auch nicht.

Bundespolizei ermittelt gegen Hintermänner der illegalen Pfleger

Als Bundespolizisten die Insassen des Reisebusses kontrollierten, flog die Ukrainerin auf. (Symbolbild)
Als Bundespolizisten die Insassen des Reisebusses kontrollierten, flog die Ukrainerin auf. (Symbolbild)  © dpa/Felix Kästle

Die Frau musste daraufhin ihre Heimreise vorzeitig beenden und den Bus zwischen Dresden und Bautzen verlassen. Die Beamten nahmen die Ukrainerin in Gewahrsam und übergaben sie anschließend an die Ausländerbehörde.

"Wie es für die 40-Jährige weitergeht, entscheidet nun diese Behörde", sagte Alfred Klaner, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Ebersbach, auf Anfrage von TAG24. "Einfach abschieben wird vermutlich nicht möglich sein, da sie sich dafür zu lange zu Deutschland aufhielt", erklärte Klaner. 

Die Ukrainerin wird sich wegen des Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz und die Aufnahme einer unerlaubten Beschäftigung verantworten müssen.

Die Ermittlungen der Bundesbeamten richten sich nun auch gegen die Hintermänner und Auftraggeber der Frau.

450-Euro-Jobs: So viel darf gearbeitet werden

Gleich vorweg: 24 Stunden am Stück arbeiten darf eigentlich niemand. Dies über einen längeren Zeitraum zu machen ist jedoch nicht nur verboten, sondern auch gefährlich. Der menschliche Körper verkraftet diese Belastung nicht lange.

Bei einem 450-Euro-Job gilt ebenso wie in allen anderen Arbeitsfeldern der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro. Rechnen Arbeitnehmer ihren Maximal-Verdient von 450 Euro durch 9,35 Euro je Stunde, kommen sie im Ergebnis auf die Anzahl der Stunden, die sie höchstens arbeiten dürfen: rund 48.

Die Ukrainerin leistete jedoch im Schnitt 730 Stunden jeden Monat, das ist etwas mehr als das Fünfzehnfache. Insgesamt arbeitete die Frau 5110 Stunden und verdiente dabei lediglich 3150 Euro (knapp 62 Cent je Stunde)!

Titelfoto: dpa/Christophe Gateau

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