Amoklauf in Heidelberg: Warum musste die Studentin (†23) sterben?

Heidelberg - Es war eine grauenhafte Tat, die ein 18-Jähriger am Montagmittag auf dem Campus der Uni Heidelberg beging.

Der Täter stürmte mit zwei Langwaffen einen Hörsaal an der Heidelberger Uni.
Der Täter stürmte mit zwei Langwaffen einen Hörsaal an der Heidelberger Uni.  © Sebastian Gollnow/dpa

Kurz vor 12.30 Uhr betrat der Killer den Hörsaal, in dem gerade 30 Studenten an einem Tutorium teilnahmen.

Der junge Mann trug zwei Schrotflinten mit sich und einen Rucksack mit weiteren 100 Schuss Munition.

Ohne Vorwarnung feuerte er mit der Langwaffe auf die Studentinnen und Studenten ab.

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Einer Frau (†23) schoss er in den Kopf, sie erlag wenige Stunden später ihren Verletzungen. Zwei weitere Frauen im Alter von 19 und 21 Jahren sowie ein Mann (20) wurden leicht verletzt.

Um das Motiv des 18-Jährigen, der sich nach seiner Tat selbst umbrachte, gab es auch am Tag danach noch Rätsel.

Kurz vor seinem Amoklauf hatte er eine Whatsapp-Nachricht an seinen Vater geschickt.

Darin hieß es, "dass Leute jetzt bestraft werden müssen", so der Mannheimer Polizeipräsident Siegfried Kollmar, der versicherte: "Wir werden sein Umfeld jetzt durchleuchten in den nächsten Tagen, mit Hochdruck."

Gibt auf einer Pressekonferenz Auskunft zum Amoklauf in Heidelberg: Mannheims Polizeipräsident Siegfried Kollmar.
Gibt auf einer Pressekonferenz Auskunft zum Amoklauf in Heidelberg: Mannheims Polizeipräsident Siegfried Kollmar.  © Sebastian Gollnow/dpa

Polizei durchsucht die Wohnung des Killers von Heidelberg

Ermittler sichern Spuren am Tatort in Heidelberg.
Ermittler sichern Spuren am Tatort in Heidelberg.  © Sebastian Gollnow/dpa

Wie die dpa aus Sicherheitskreisen erfahren haben will, soll der 18-Jährige, der nicht vorbestraft war, weder politische noch religiösen Motive gehabt haben. Man gehe demnach eher von einer Beziehungstat oder psychischen Problemen aus.

Andreas Herrgen, Leiter der Staatsanwaltschaft Heidelberg, sagte dagegen offiziell, man könne über das Motiv nur spekulieren.

Um die Hintergründe besser beleuchten zu können, hat die Polizei inzwischen die Wohnung des Killers in Mannheim und die "Räumlichkeiten" der Eltern durchsucht.

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Dabei wurde "digitales Equipment" sichergestellt, das jetzt ausgewertet werde, teilten die Ermittler am späten Montagabend mit. Er sei zuversichtlich, dass die Auswertung Hinweise auf die Motivlage geben könnte, sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (61, CDU) am Dienstag in Stuttgart.

Außerdem wurde der Leichnam des Täters sowie der Studentin (†23) beschlagnahmt und zur Obduktion zum Institut für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Heidelberg gebracht.

Einer der ungeklärten Fragen ist weiterhin, warum der 18-Jährige aufgehört hatte zu schießen. Angesichts der 100 Schuss Munition in seinem Rucksack hätte er nachladen können, machte Polizeipräsident Kollmar deutlich.

Verletzte können Krankenhaus verlassen

Heidelberg am Dienstag: Menschen legen vor einem Gebäude der Universität Blumen und Kerzen an den Wegesrand.
Heidelberg am Dienstag: Menschen legen vor einem Gebäude der Universität Blumen und Kerzen an den Wegesrand.  © Uwe Anspach/dpa

Die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe namens "Botanik" mit 32 Personen eingerichtet. Diese recherchiert nun die Herkunft der Schusswaffen sowie das Tatmotiv.

"Hierzu wird das persönliche und universitäre Umfeld des mutmaßlichen Täters mit einbezogen", heißt es am Dienstagnachmittag von Ermittlerseite.

Ein besonderes Augenmerk liege zudem bei der Betreuung Betroffener, den Familien der Opfer und des Täters, aber auch der Studenten, die während der Tat im Hörsaal anwesend waren.

"Das psychosoziale Beratungsteam des Polizeipräsidiums Mannheim wird hier in Kooperation mit Notfallseelsorgern der Rettungskräfte sowie dem Opferbeauftragten der Landesregierung und dessen Partnern die Betreuungs- und Nachsorgefunktionen übernehmen", schreiben die Beamten.

Gute Nachrichten gibt es derweil aus dem Krankenhaus: Die drei bei dem Amoklauf Verletzten konnten die Klinik nach ambulanter Behandlung wieder verlassen, sie befinden sich auf dem Weg der (körperlichen) Besserung.

Die Polizei sucht Zeugen, die konkrete Hinweise rund um die Tat geben können und sich bislang noch nicht bei den Ermittlern gemeldet haben. Diese werden gebeten, sich mit dem Kriminaldauerdienst unter der Rufnummer 0621/174-4444 in Verbindung zu setzen.

Aktualisiert: 25. Januar, 15.38 Uhr

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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