Randale in Augsburger Innenstadt: Flaschenwürfe, Pfefferspray und zahlreiche Verletzte

Augsburg - Die Polizei hat in der Nacht zu Sonntag in der Innenstadt von Augsburg eine Ansammlung von hunderten Feierwütigen aufgelöst.

Polizisten stehen an einem Platz in der Innenstadt, wo sich Menschen zum Feiern versammelt haben.
Polizisten stehen an einem Platz in der Innenstadt, wo sich Menschen zum Feiern versammelt haben.  © Andreas Herz/dpa

Mehrere Straßen wurden geräumt. Bei dem Einsatz, der sich über mehrere Stunden hinzog, seien zahlreiche Beamte verletzt worden, sagte ein Sprecher der Polizei.

Auch auf der Seite der Feiernden habe es Verletzte bei dem Einsatz gegeben.

Den Angaben zufolge feierten rund 1400 Menschen gegen Mitternacht in der Augsburger Innenstadt. Viel Alkohol habe zu aufgeheizten Gemütern und einer zunehmend aggressiveren Stimmung geführt. Es seien immer wieder Gegenstände auf Polizeibeamte geworfen worden.

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Nachdem sich die Lage nicht beruhigt habe und die Feiernden der dreimaligen Aufforderung nicht nachgekommen seien, die Plätze zu verlassen, habe sich die Einsatzleitung kurz vor zwei Uhr nachts zur Räumung mehrerer Straßen entschieden.

Während der Räumung seien über 200 Gegenstände auf die Einsatzkräfte geflogen, darunter auch viele Glasflaschen.

Ein Rettungswagen wurde von einer Flasche getroffen. Die Frontscheibe des Fahrzeugs wurde dabei beschädigt.

Hunderte feiern in Augsburger Innenstadt: Polizistin sexuell belästigt

Ein Mann, der am Boden fixiert werden sollte, trat einem Beamten mit dem Fuß ins Gesicht. Der Polizist erlitt dem Sprecher zufolge dabei eine Schwellung am Auge.

Eine Polizistin sei sexuell belästigt worden, als sie die Personalien eines Mannes feststellen wollte. Es habe zudem immer wieder Sprechchöre mit Beleidigungen gegen die Polizei gegeben.

Eine unbeteiligte junge Frau sei von einer Flasche getroffen und leicht verletzt worden. Die Polizei setzte auch Pfefferspray ein. Einige Menschen seien deshalb wegen Augenreizungen behandelt worden.

Mindestens ein Flaschenwerfer wurde vorläufig festgenommen.

Update, 14.27 Uhr: Polizeigewerkschaft entsetzt über Augsburger Krawalle

Die Polizei hat in der Nacht zu Sonntag eine Ansammlung von hunderten Feiernden in Augsburg aufgelöst.
Die Polizei hat in der Nacht zu Sonntag eine Ansammlung von hunderten Feiernden in Augsburg aufgelöst.  © Andreas Herz/dpa

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bayern zeigt sich entsetzt über die Randale in Augsburg nach dem EM-Sieg der deutschen Mannschaft über Portugal.

Der Landesvorsitzende Peter Pytlik sprach am Sonntag von "massiven Ausschreitungen" und sagte, man sei "enttäuscht über die Gewaltausbrüche von Jugendlichen und jungen Menschen".

Es gebe "vielfältige Gründe, die zu diesen Gewaltausbrüchen führten", sagte er. "Die wiedergewonnene Freiheit, die pandemiebedingte lange Feier-Abstinenz, kombiniert mit übermäßigen Alkoholkonsum und nicht zuletzt die übertriebene emotionale Reaktion auf den Sieg der deutschen Mannschaft. Dies ist anscheinend eine Gemengelage die sich mit der Eskalation in Augsburg und anderen Städten ihren Raum suchte."

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Pytlik forderte Konsequenzen: "Diese jungen Menschen verstoßen absichtlich, vorsätzlich und mit einer unglaublichen Ignoranz gegen die Rechtsstaatlichkeit", sagte er. "Wer Polizistinnen und Polizisten, Rettungs- oder andere Hilfskräfte attackiert, muss die ganze Härte des Rechtsstaats spüren."

Das Phänomen sei neu. "Solche Handlungsmuster als Folge gruppendynamischer Prozesse, wie in den letzten Wochen feststellbar, gab es in dieser Form bisher nicht beziehungsweise nur äußerst selten", erklärte der GdP-Chef. "Offensichtlich haben einige junge Menschen den Realitätsbezug zwischen virtuellem Spielen und realem Handeln verloren."

Titelfoto: Andreas Herz/dpa

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