Giftanschlag an Darmstädter Uni: Alle Fakten und offenen Fragen

Darmstadt - Der Schock saß tief nach dem mutmaßlichen Giftanschlag an der Technischen Universität (TU) in Darmstadt (TAG24 berichtete): Großaufgebot an Einsatzkräften, sieben Menschen mit Vergiftungserscheinungen und viele offene Fragen.

Nach wenigen Tagen machen die Ermittler erstmal zu, keine Auskünfte über den Fall. Ausnahme: Es gelingt ein Durchbruch. "Wir brauchen ein bisschen Luft zum Ermitteln", sagt Oberstaatsanwalt Robert Hartmann.

Voraussichtlich an diesem Freitag will die Staatsanwaltschaft über den Stand der Ermittlungen informieren. Ob mittlerweile weitere Details geklärt wurden, ist unklar. Das sind die Fakten und die offenen Fragen.

Großaufgebot der Rettungskräfte nach dem Giftanschlag am 23. August auf dem Gelände der TU Darmstadt an der Lichtwiese.
Großaufgebot der Rettungskräfte nach dem Giftanschlag am 23. August auf dem Gelände der TU Darmstadt an der Lichtwiese.  © dpa/Keutz TV-News/Alexander Rau

Der Tatort

Im Gebäude L201 auf dem Campus Lichtwiese werden Wasserbehälter und Milchtüten mit einem gesundheitsgefährdenden Stoff versetzt.

Sieben Menschen, die dort arbeiten, zeigen am Montag vergangener Woche Vergiftungserscheinungen. Bei einem 30-Jährigen besteht vorübergehend Lebensgefahr.

Mehrere Gebäude des Campus, einem von fünf Standorten der TU, werden durchsucht. Die giftigen Stoffe werden nur in L201 entdeckt.

Das Gebäude L201: Hier wurden Wasserbehälter und Milchtüten mit dem gesundheitsgefährdenden Stoff versetzt. Sieben Menschen zeigten Vergiftungserscheinungen.
Das Gebäude L201: Hier wurden Wasserbehälter und Milchtüten mit dem gesundheitsgefährdenden Stoff versetzt. Sieben Menschen zeigten Vergiftungserscheinungen.  © dpa/Frank Rumpenhorst

Das Gift

Hierüber schweigen sich die Ermittler aus. Der Grund: "Täterwissen". Berichte über mögliche Stoffe kommentiert die Staatsanwaltschaft nicht.

Klar ist, das Gift führt zu Unwohlsein und Verfärbungen und kann im schlimmsten Fall tödlich wirken.

Der "Spiegel" berichtete, unter anderem sei in den untersuchten Proben der Stoff 1,4-Butandiol (BDO) gefunden worden, der in der Drogenszene als Ersatz für das verbotene "Liquid Ecstasy" benutzt wird.

Die Täter

Der oder die Täter sind bislang unbekannt. In den ersten Tagen gibt es keine Hinweise auf mögliche Verdächtige.

Derzeit lassen sich die Fahnder nicht in die Karten schauen. Die Täter sollen das Gift am Montag vergangener Woche oder dem vorangegangen Wochenende in das Gebäude gebracht haben.

Die Ermittler

Die Fahnder gehen schnell davon aus, dass es sich um eine vorsätzliche Tat handelt.

Auf den Fall wird eine 40-köpfige Mordkommission mit Namen "Licht" angesetzt, die nach Auskunft der Staatsanwaltschaft je nach Lage der Dinge auch aufgestockt werden kann.

Ermittelt wird wegen versuchten Mordes.

Die Motive

Sie liegen derzeit im Dunkeln.

Es gibt weder ein Bekennerschreiben noch einen Erpressungsversuch.

Die Ermittlungen

Im Fokus standen anfangs Zeugenvernehmungen, Spurensicherung und Identifizierung des giftigen Stoffes.

Geklärt werden soll zudem, wer an dem fraglichen Wochenende möglicherweise Zugang zu dem Gebäude hatte - keine einfache Aufgabe. Nach Angaben der Universität hat das Gebäude eine ältere Schließanlage, mit der nicht nachvollzogen werden kann, wer wann das Gebäude betreten oder verlassen hat.

Eine Kameraüberwachung gibt es der Uni zufolge nicht, die wäre schon aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zulässig.

Oberstaatsanwalt Robert Hartmann stellt sich am Tag nach dem Giftanschlag der Presse. Aus ermittlungstaktischen Gründen ist bisher wenig über die Ermittlungen bekannt.
Oberstaatsanwalt Robert Hartmann stellt sich am Tag nach dem Giftanschlag der Presse. Aus ermittlungstaktischen Gründen ist bisher wenig über die Ermittlungen bekannt.  © dpa/Frank Rumpenhorst

Die Opfer

Die sieben betroffenen Menschen von der TU mussten medizinisch versorgt werden.

Sechs von ihnen mussten in Kliniken behandelt werden, konnten diese aber relativ schnell wieder verlassen.

Ihnen soll im Bedarfsfall psychologisch geholfen werden.

Die Sicherheit

Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen gab es der Universität zufolge nach der Gift-Attacke nicht.

Die Menschen an der Uni wurden aber aufgefordert, vorsichtig zu sein und möglichst nichts zu verzehren, was unbeaufsichtigt war.

Titelfoto: dpa/Frank Rumpenhorst

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