Polizei mit gelegten Bränden angelockt? Wütender Mob bewirft Einsatzkräfte mit Steinen

Dietzenbach - Etwa 50 Männer haben am frühen Freitagmorgen im hessischen Dietzenbach (Landkreis Offenbach) einen Brand gelegt und anschließend die Rettungskräfte angegriffen. 

Die Auseinandersetzung dauerte etwa zwei Stunden.
Die Auseinandersetzung dauerte etwa zwei Stunden.  © dpa/Frank Rumpenhorst

Nach Polizeiangaben wurden auf einem Parkdeck Mülltonnen und ein Bagger angezündet. Beim Eintreffen der alarmierten Kräfte seien Polizisten und Feuerwehrleute dann attackiert worden. "Wir gehen davon aus, dass die Feuer nur gelegt wurden, um die Einsatzkräfte anzulocken", sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Polizeiangaben zufolge wartete die Gruppe bei Eintreffen der Beamten bereits mit Steinhaufen.

Die Auseinandersetzung dauerte etwa zwei Stunden. Drei Männer wurden laut Polizei vorläufig festgenommen. Zwei von ihnen hätten den Einsatz gestört und seien Platzverweisen nicht gefolgt, der Dritte sei ein mutmaßlicher Steinewerfer. Während der Auseinandersetzung sei auch ein Hubschrauber im Einsatz gewesen.

Verletzt wurde nach bisherigem Kenntnisstand niemand. Der Sachschaden beläuft sich laut Polizei auf mindestens 150.000 Euro. Auch Einsatzfahrzeuge seien beschädigt worden. Weitere Details und Hintergründe waren zunächst unklar - etwa ob und welchem politischen Lager die Gruppe zugeordnet werden könne, hieß es. Es habe zuvor keine Hinweise auf den Vorfall gegeben.

Erst am Donnerstag hatte das Bundeskriminalamt (BKA) über einen neuen Anstieg bei der Gewalt gegen Polizisten in Deutschland berichtet. So wurden dem Bundeslagebild zur Gewalt gegen Polizisten zufolge im vergangenen Jahr 36 126 Fälle registriert. 

Die Gruppe soll unter anderem einen Bagger angezündet haben, um die Polizei anzulocken.
Die Gruppe soll unter anderem einen Bagger angezündet haben, um die Polizei anzulocken.  © dpa/Frank Rumpenhorst

Gewalt gegen Polizisten steigt auch laut BKA immer weiter an

Das waren rund 3000 Fälle - oder auch 8,6 Prozent - mehr als im Jahr 2018. Einsatzkräfte werden zum Beispiel mit Böllern beworfen oder mit Eisenstangen attackiert. Auch die Zahl der Polizisten, die Opfer von Attacken wurden, stieg. Im Jahr 2019 waren es 69.466 Beamte. Im Vergleich zum Jahr 2018 (65.896 Opfer) wurde eine Zunahme von 5,4 Prozent registriert.

Auch in Hessen sehen sich Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungssanitäter immer häufiger körperlicher Gewalt ausgesetzt. Rein statistisch gesehen kam es im Jahr 2019 pro Tag zu fünf bis sechs Übergriffen alleine auf Polizistinnen und Polizisten. 

Insgesamt wurden 2052 derartige Gewalttaten erfasst, wie aus der Antwort des hessischen Innenministeriums auf eine Landtagsanfrage der AfD-Abgeordneten Dirk Gaw und Klaus Herrmann vom April hervorgeht.

Update, 11.27 Uhr: Innenminister Beuth verurteilt Attacke auf Polizisten

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hat die Angriffe auf Polizisten und Feuerwehrleute in Dietzenbach scharf verurteilt. "Ein Dutzend Einsatzwagen wurden beschädigt, da grenzt es an ein Wunder, dass kein Helfer verletzt wurde", erklärte er am Freitag in Wiesbaden. "Ganz offensichtlich haben letzte Nacht rund 50 Gewalttäter unsere Einsatzkräfte in einen Hinterhalt gelockt." 

Die Brandstifter hätten zunächst Feuer gelegt und die eintreffenden Polizisten und Feuerwehrleute unvermittelt mit Steinen angegriffen. "Die hessische Polizei konnte dank starker Unterstützung aus den angrenzenden Präsidien und dem Einsatz des Helikopters die Lage unter Kontrolle bringen."

Update, 12.36 Uhr: Feuerwehr-Gewerkschaft fordert nach Übergriff strenge Strafverfolgung

Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft hat angesichts der Übergriffe auf Helfer in Dietzenbach eine strenge Strafverfolgung gefordert. "Es schreckt keinen Straftäter ab, wenn sein Verhalten von überlasteten Gerichten anschließend als Bagatellfall abgehandelt wird", erklärte der Sprecher Tobias Thiele am Freitag in Solingen. So etwas werde von den Rettungskräften mit Unverständnis zur Kenntnis genommen und führe zu einer enormen Dunkelziffer, da viele Kollegen respektlose Handlungen im Einsatz aus Frustration nicht mehr meldeten.

Die Gewerkschaft verurteile die Übergriffe in Dietzenbach auf das Schärfste, erklärte Thiele. "Solch ein Verhalten ist absolut nicht zu tolerieren, wir erwarten von der Justiz, diese gewalttätigen Personen mit der vollen Härte unserer Gesetze zu bestrafen." 

Nicht ein höherer Strafenkatalog sei das Ziel, sondern die geradlinige Strafverfolgung.

Update, 13.28 Uhr: Überfall auf Helfer könnte mit Polizeiaktion in Verbindung stehen

Die Übergriffe auf Einsatzkräfte in Dietzenbach könnten womöglich im Zusammenhang stehen mit einem größeren Polizeieinsatz in einem Hochhaus Anfang der Woche. Beamte hatten in mehreren Kellern unter anderem mehr als 200 Fahrräder sichergestellt, mutmaßlich Diebesgut. 

"Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass es am Ende einen Zusammenhang gibt zu Straftaten, die vorher begangen worden sind und wo es eine entsprechende Polizeiaktion gegeben hat", sagte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) am Freitag in Wiesbaden. Einzelheiten müssten jedoch erst noch ermittelt werden. 

Auf einen politischen Hintergrund der Übergriffe gebe es keine Hinweise.

Titelfoto: dpa/Frank Rumpenhorst

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