Ein Waffennarr schoss wild um sich: Was wollte der getötete Schütze von Meckenheim?

Meckenheim/Bonn – Zersplittertes Fensterglas, Einschusslöcher in Fassaden, dramatische Stunden: In Meckenheim bei Bonn ist ein 44-Jähriger mit zwei Waffen am Körper durch die Straßen gezogen. Nach einem Zugriff von Spezialkräften stirbt er. Das Motiv soll im Privaten liegen.

Ein Polizist betrachtet ein Loch in einer Fensterscheibe eines Wohnhauses. Am Vorabend hatten Anwohner die Polizei alarmiert, weil eine Person auf der Straße randaliert und um sich geschossen hatte.
Ein Polizist betrachtet ein Loch in einer Fensterscheibe eines Wohnhauses. Am Vorabend hatten Anwohner die Polizei alarmiert, weil eine Person auf der Straße randaliert und um sich geschossen hatte.  © Oliver Berg/dpa

Im Fernsehen läuft gerade noch der "Tatort", als sich im echten Leben in der kleinen Stadt Meckenheim ein tatsächlicher Krimi entwickelt. Schüsse durchschneiden die Luft, Spezialkräfte der Polizei rücken an - und liefern sich einen Schusswechsel mit einem Mann, der auf der Straße immer wieder seine Waffen zieht.

Nach dem Zugriff stirbt er. Und hinterlässt die große Frage: Warum?

Stunden nach den dramatischen Szenen von Meckenheim, das im Süden von Nordrhein-Westfalen umgeben von Obstfeldern liegt, gibt es zumindest ein paar Gewissheiten, was sich am Sonntagabend ereignet hat.

Die Kurzfassung: Ein Waffennarr griff zu den Waffen - und davon hatte er zu Hause reichlich. Eine irgendwie politisch oder religiös geartete Motivation soll er nicht gehabt haben.

Die Polizei war am Sonntag gegen 21 Uhr alarmiert worden. Zeugen meldeten einen Randalierer, aber schnell gibt es auch Berichte über Schüsse. Ein Mann sei unterwegs und feuere um sich.

Mann starb nach Zugriff von Spezialkräften

Markierungen der Spurensicherung der Polizei sind auf den Boden einer Hauseinfahrt gesprüht.
Markierungen der Spurensicherung der Polizei sind auf den Boden einer Hauseinfahrt gesprüht.  © Oliver Berg/dpa

Es kommt zur Konfrontation mit der Polizei: Der Schütze verletzt einen Beamten dabei mit einer Kugel an der Hand, er muss in ein Krankenhaus. Danach soll der Schütze auf ein Grundstück geflohen sein, wo ihn die Einsatzkräfte stellten und zum Aufgeben überreden wollten - vergeblich.

Beim Zugriff von Spezialkräften kommt es schließlich zu einem finalen Schusswechsel. Der 44-Jährige stirbt. Weitere Opfer gibt es wie durch ein Wunder nicht.

Wie sich bei der Obduktion herausstellt, hatte sich der Mann im Laufe des Geschehens wohl selbst getötet. Todesursache war nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ein aufgesetzter Schuss am Kopf, den er sich mutmaßlich selbst zugefügt hatte.

Die Leiche habe noch zwei weitere Schusswunden aufgewiesen. Mindestens eine davon sei einer Polizeikugel zuzuordnen. Beide seien aber nicht als todesursächlich eingestuft worden.

Polizei findet Waffenarsenal in der Wohnung des Mannes

Ein Polizist steuert zur Spurensicherung eine Drohne über einem Grundstück.
Ein Polizist steuert zur Spurensicherung eine Drohne über einem Grundstück.  © Oliver Berg/dpa

Bei einer Durchsuchung in der Wohnung des Meckenheimers wird ein ganzes Waffenarsenal gefunden: Messer, Macheten, eine Axt, eine große Menge Munition sowie mehrere Lang- und Kurzwaffen.

Der 44-Jährige sei Sportschütze und habe eine Waffenbesitzkarte besessen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Aber nur ein Teil der Waffensammlung sei auch auf der Karte verzeichnet gewesen.

Bei der Tat trug er zwei Kurzwaffen und Munition bei sich.

Was den Mann genau antrieb, war zunächst unklar. Es gab Anhaltspunkte, dass er unter Alkoholeinfluss gestanden haben könnte.

Nach bisherigen Erkenntnissen könnte sein Motiv im privaten Bereich gelegen haben, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen dazu liefen aber noch. Der Mann hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft die deutsche Staatsangehörigkeit.

Polizei: Zehn Tatorte und mehrere Einschusslöcher

Ein Loch ist in einer Fensterscheibe eines Wohnhauses zu sehen.
Ein Loch ist in einer Fensterscheibe eines Wohnhauses zu sehen.  © Oliver Berg/dpa

In Meckenheim selbst waren Beamte am Montag noch dabei, mögliche Einschusslöcher zu finden und zu untersuchen. Eines etwa an einer Arztpraxis.

Zu sehen war auch ein großes, gesplittertes Loch im Fenster eines Wohnhauses. In der Nacht waren auch Seelsorger vor Ort.

Die Polizei sprach von rund zehn Tatorten in der Wohngegend. Gemeint waren Orte, an denen eine Kugel oder mehrere Geschosse einschlugen - an einem Streifenwagen, an parkenden Autos, an Hausfassaden.

Zahlen und Markierungen bedeckten die Straßen, an den Fassaden sah man abgeplatzten Putz.

Gleichwohl erwachte wieder das normale Leben. Sofern man das in Corona-Zeiten sagen kann.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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