Sie klauten 6,5 Millionen Euro vom Zoll: Polizei nimmt vier mutmaßliche Diebe fest

Emmerich/Köln – Es könnte das Drehbuch eines Films sein: Am 1. November 2020 verschafften sich Unbekannte Zugang zum Gebäude des Hauptzollamtes Duisburg in Emmerich (Niederrhein) und stahlen 6,5 Millionen Euro. Jetzt konnten die Ermittler vier Tatverdächtige verhaften.

Fast zwei Jahre liefen die Ermittlungen nach den Dieben auf Hochtouren. (Symbolbild)
Fast zwei Jahre liefen die Ermittlungen nach den Dieben auf Hochtouren. (Symbolbild)  © 123rf/foottoo

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilten, befindet sich unter den vier Personen ein Zollbeamter mit polnischer Staatsangehörigkeit als mutmaßlicher Tippgeber.

Polizeikräfte aus Sachsen und Polen konnten die vier Verdächtigen am vergangenen Dienstag (10. Mai 2022) festnehmen. Zudem durchsuchten sie die beiden Wohnungen des polnischen Tatverdächtigen in Köln, Görlitz und Polen sowie dessen Arbeitsstätte in Bonn.

Die anderen Festgenommenen waren nach bisherigem Ermittlungsstand eine Polin, die als Vermittlerin fungiert haben soll, und zwei polnische Männer, die die Tat ausgeführt haben sollen.

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Bei dem Einbruch im November 2020 hatten die Täter die Wand des Tresorraums durchbohrt.

Zeugen hatten am Morgen des 1. November 2020 gegen 6 Uhr laute Bohrgeräusche gehört und gegen 10.45 Uhr bemerkt, wie drei dunkel gekleidete Männer mit dunklen Strickmützen das Gebäude in Emmerich verlassen hatten.

Festgenommener Zollbeamte war "Tippgeber"

Um an die Millionen im Tresor zu gelangen, durchbohrten die Räuber eine Wand im Zollamt in Emmerich. (Archivbild)
Um an die Millionen im Tresor zu gelangen, durchbohrten die Räuber eine Wand im Zollamt in Emmerich. (Archivbild)  © Federico Gambarini/dpa

Dort beluden sie einen weißen Transporter mit Klever Kennzeichen. Ein Zeuge hatte zuvor ebenfalls beobachtet, wie ein Mann auffällig auf- und ablief, während sich seine mutmaßlichen Komplizen im Zollgebäude befanden. Seither wurde mit Fotos nach dem Verdächtigen und seinem Auto gefahndet.

Vor genau 18 Monaten, als die Ermittlungen begonnen, bezog der zuständige Oberstaatsanwalt Stellung und sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Jetzt wird geprüft: Wer genau wusste von dem Geld".

Bislang schweigen die Behörden zu den Details, doch jetzt ist klar, dass der festgenommene Zollbeamte der Tippgeber war. Mehr darf nicht öffentlich gemacht werden, da die Ermittlungen in Deutschland sowie Polen weiterlaufen.

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Auch ist nicht klar, wo die Millionenbeute abgeblieben ist – entweder, weil die Ermittler schweigen oder es selbst noch nicht wissen.

Innenminister Reul bezieht Stellung

"Nordrhein-westfälische und polnische Behörden haben 18 Monate akribisch ermittelt und grenzüberschreitend zusammengearbeitet", lobte NRW-Innenminister Herbert Reul (69, CDU) am Mittwoch. So sei es gelungen, einen "spektakulären" Kriminalfall zu lösen. "Hier wurden mutmaßlich Schwerkriminelle festgenommen, die professionell agiert und sogar Trugspuren gelegt haben – ein Indiz dafür, dass sich selbst ausgeklügeltste Verbrechen nicht lohnen", äußerte der Minister.

Die Erwähnung der Trugspuren beziehe sich laut dpa auf falsche DNA-Spuren, die im Emmericher Fall am Tatort hinterlassen wurden.

Aktualisiert: 18. Mai 2022, 17.49 Uhr

Titelfoto: Federico Gambarini/dpa

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