Demo am Tagebau: Polizei beendet Besetzung von Kohlebagger

Erkelenz/NRW – Braunkohlegegner haben am Sonntagmorgen einen Kohlebagger im rheinischen Tagebau Garzweiler besetzt.

Polizei Beamten stehen im Tagebau Garzweiler an der Abbruchkante.
Polizei Beamten stehen im Tagebau Garzweiler an der Abbruchkante.  © David Young/dpa

Einige von ihnen hätten sich mit Kunstblut übergossen, teilte die Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion mit. 

Die Aktion stehe sinnbildlich für den Tod von Millionen Menschen, der durch die klimatischen Folgen der Braunkohleverstromung verursacht werde, hieß es. 

"Jeden Tag sterben Tausende Menschen, weil Konzerne wie RWE Braunkohle verbrennen, was weltweite und langfristige Klimafolgen mit sich bringt", teilte Lukas Schnermann, Pressesprecher der Gruppe, mit.

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Die Aktivisten warfen dem Sicherheitspersonal von RWE "gewaltvolle Übergriffe" vor. Die Sicherheitsleute hätten Beteiligte gewürgt und einige die steilen Treppen des Baggers hinuntergestoßen. 

Einem Kameramann, der einen Live-Stream gesendet habe, sei an der Kapuze gezogen worden, bis er keine Luft mehr bekommen habe. Auch hätten die RWE-Leute eine Journalistin zu Boden geworfen und ihr die Arme verdreht. Ihr Presseausweis sei ihr abgenommen und ihre Kamera zerstört worden.

Eine Sprecherin der Polizei Aachen sagte, dass sich zurzeit drei Aktivisten auf dem Bagger aufhielten. Die Polizei versuche sie dazu zu überreden, die Aktion abzubrechen. Mehrere Beteiligte würden zur Identitätsfeststellung festgehalten.

Update, 11.23 Uhr: Aktivistin Luisa Neubauer hält Kohlekompromiss für überholt

Die Umweltaktivistin Luisa Neubauer sitzt mit einem Plakat mit der Aufschrift "Alle Dörfer For Future" vor dem Garzweiler Tagebau.
Die Umweltaktivistin Luisa Neubauer sitzt mit einem Plakat mit der Aufschrift "Alle Dörfer For Future" vor dem Garzweiler Tagebau.  © David Young/dpa

Klimaaktivistin Luisa Neubauer hält den Kohlekompromiss von Anfang 2019 für überholt. 

"Seit der Kohlekommission haben sich die Verhältnisse radikal verändert", sagte Neubauer am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur am Tagebau Garzweiler. "Ein Kohlekompromiss, wie er damals geschlossen worden ist, wäre heute schon undenkbar. Wir verstehen heute, wie schnell wir aus der Kohle aussteigen müssen, um das Pariser Klimaabkommen einhalten zu können. Und wir wissen auch, dass wir das können." 

Die Braunkohleförderung in Garzweiler sei ja "kein rentables Geschäft, sondern ein staatlich subventioniertes Verlustgeschäft". Dies geschehe zum einen auf Kosten der Anwohner, die ihre Dörfer verlassen müssten, und zum auf anderen auf Kosten von Menschen weltweit, die unter der Klimaerwärmung zu leiden hätten.

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Neubauer verteidigte auch die Besetzung eines Kohlebaggers durch drei Aktivisten. "Ziviler Ungehorsam ist immer eine Kontextfrage", sagte sie. "Und hier erleben wir, dass die Ungerechtigkeit so groß ist, die Rechte der Menschen so sehr mit Füßen getreten werden, dass man sich dagegen wehren muss." Natürlich müsse der Protest immer friedlich bleiben.

Der Demonstrationszug geht in Richtung Lutzerath . Ein bundesweites Bündnis von Umweltverbänden und Klimagruppen will "gegen die Zerstörung der gefährdeten Dörfer und für Klimagerechtigkeit zu protestieren".
Der Demonstrationszug geht in Richtung Lutzerath . Ein bundesweites Bündnis von Umweltverbänden und Klimagruppen will "gegen die Zerstörung der gefährdeten Dörfer und für Klimagerechtigkeit zu protestieren".  © David Young/dpa

Update, 13.44 Uhr: Etwa 1000 Menschen demonstrieren am Tagebau Garzweiler

Teilnehmer der Demo zeigen beispielhaft auf, was für den Kohleabbau in der Region weichen musste.
Teilnehmer der Demo zeigen beispielhaft auf, was für den Kohleabbau in der Region weichen musste.  © Horst Konopke

Im rheinischen Braunkohlerevier haben am Sonntag etwa 1000 Menschen gegen die Zerstörung weiterer Dörfer demonstriert. 

Zu der Kundgebung aufgerufen hatten mehr als 20 Organisationen, darunter der BUND, Greenpeace und Fridays for Future. Die Demonstranten gingen von zwei unterschiedlichen Punkten los und vereinigten sich dann in dem Dorf Lützerath am Tagebau Garzweiler, das zur Gewinnung von Kohle verschwinden soll.

"Inmitten der Klimakrise alte Dörfer samt historischer Kirchen, Schulgebäuden und fruchtbaren Äckern für einen riesigen Tagebau zu opfern ist ein unverzeihlicher Fehler", sagte der Greenpeace-Klimaexperte Bastian Neuwirth. 

"Wenn Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet als potenzieller Kanzlerkandidat Verantwortung für ganz Deutschland übernehmen will, dann muss er jetzt in seiner Heimat mit Klimaschutz anfangen."

Update, 16.15 Uhr: Besetzung von Kohlebagger im Tagebau Garzweiler beendet

Die Polizei hat am Sonntag die Besetzung eines Kohlebaggers im Tagebau Garzweiler bei Erkelenz beendet. Eine Person sei freiwillig heruntergekommen, zwei andere habe man herunterholen müssen, sagte eine Sprecherin der Polizei Aachen. Nun würden die Personalien festgestellt. 

Braunkohlegegner hatten den riesigen Bagger am frühen Morgen besetzt. Dabei kam es zu Handgreiflichkeiten mit Sicherheitsleuten des Energiekonzerns RWE. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld dafür.

Titelfoto: David Young/dpa

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