Fünf tote Kinder in Solingen: Schulpsychologen sollen helfen

Solingen – Nach dem gewaltsamen Tod von fünf kleinen Kindern in Solingen gehen am Montag die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft weiter. Im Mittelpunkt steht dabei die mordverdächtige Mutter (27), die die Kinder erst betäubt und dann erstickt haben soll. 

Trauende knien vor Blumen, Kerzen und Stofftieren vor dem Haus in Solingen, in dem am Vortag fünf tote Kinder aufgefunden worden waren.
Trauende knien vor Blumen, Kerzen und Stofftieren vor dem Haus in Solingen, in dem am Vortag fünf tote Kinder aufgefunden worden waren.  © David Young/dpa

Genaueres zu der Todesursache soll eine toxikologische Untersuchung ergeben. Die Beerdigung der fünf Kinder ist erst möglich, wenn die Leichen freigegeben worden sind.

Die Ermittler vermuten, dass die alleinerziehende Mutter von sechs Kindern nach der Trennung von ihrem Mann die Tat in einem Zustand emotionaler Überforderung begangen hat. Gewissheit über das Motiv kann aber nur eine ausführliche Vernehmung der Frau bringen.

Am Freitag galt sie noch als nicht vernehmungsfähig. Sie hatte sich vor einem Zug geworfen und war schwer verletzt worden. Nähere Informationen über ihren Gesundheitszustand hatte es am Wochenende nicht gegeben.

Offen ist zu Wochenbeginn auch das weitere Schicksal des elfjährigen Sohnes, des einzig überlebenden Kindes der 27-Jährigen. Er ist derzeit bei seiner Großmutter in Mönchengladbach.

Am Montag müsste er in Solingen theoretisch wieder in die Schule. Er könne sich kaum vorstellen, dass der Junge in die Schule gehen werde, sagte ein Solinger Stadtsprecher. Die Entscheidung liege allerdings bei den Jugendämtern in Solingen und Mönchengladbach.

Horror-Tat von Solingen: Bruder (11) wird von seiner Großmutter betreut

Eine Polizistin steht in Solingen vor dem Hauseingang, hinter dem eine Mutter (27) fünf ihrer Kinder getötet haben soll.
Eine Polizistin steht in Solingen vor dem Hauseingang, hinter dem eine Mutter (27) fünf ihrer Kinder getötet haben soll.  © Roberto Pfeil/dpa

Die Opferschutzbeauftragte des Landes NRW, Elisabeth Auchter-Mainz, sagte, sie habe den Eindruck, dass der Junge und die Großmutter in Mönchengladbach gut betreut würden.

Für die Zukunft seien viele Fragen offen, aber zunächst benötigten der Junge und seine Großmutter Zeit. "In so einer Lage brauchen die Menschen Zeit – und diese Zeit muss dem Jungen und seiner Großmutter gegeben werden."

Dem Solinger Jugendamt war die Familie vor der Tat bereits bekannt. "Der Familie wurden von der Stadt Solingen erforderliche Unterstützungen gewährt. Das Jugendamt hat zusätzlich mögliche Hilfsangebote unterbreitet", teilte die Stadt mit.

Details nannte sie aber nicht. "Erkenntnisse zu Auffälligkeiten oder einer potenziellen Gefährdung der Kinder gab es zu keinem Zeitpunkt."

Die Kinder Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8) waren von Polizisten am Donnerstag tot in ihren Kinderbetten in der Wohnung der Familie im Solinger Stadtviertel Hasseldelle gefunden worden.

Update, 13.55 Uhr: Stadt Solingen richtet Spendenkonto ein

Nach dem Tod von fünf Kindern in Solingen richtet die Stadt ein Spendenkonto für die Familie ein. "Wir kümmern uns ab heute darum, ein solches Konto einzurichten", sagte ein Sprecher der Stadt am Montag.

Die eingehenden Beträge sollen dem derzeit Elfjährigen auf seinem weiteren Lebensweg helfen, zum Beispiel bei der Finanzierung einer Ausbildung, teilte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) am Montag mit. Die Kosten für die Bestattung der verstorbenen Geschwister sichert demnach die Stadt ab.

Das Konto werde als Treuhandkonto bei der Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung geführt. Die IBAN lautet DE 97 3425 0000 0001 6633 84. Bei der Überweisung wird um die Angabe des Stichwortes "Licht" gebeten. Das Stichwort erinnere an die vielen Lichter, "die die Nachbarinnen und Nachbarn der Verstorbenen am vergangenen Samstag in Solingen entzündet haben", hieß es. 

Mit der Einrichtung des Kontos greife die Stadt sehr gerne eine Anregung auf, die viele Bürger über die sozialen Medien an den Oberbürgermeister gerichtet hätten.

Update, 13.47 Uhr: Solinger Schulen bekommen nach Tod von Schülern Hilfe

Die Trauer um die fünf getöteten Kinder in Solingen ist groß. Zwei Schulen sollen nun von Psychologen unterstützt werden.
Die Trauer um die fünf getöteten Kinder in Solingen ist groß. Zwei Schulen sollen nun von Psychologen unterstützt werden.  © Roberto Pfeil/dpa

Nach dem Tod von fünf Kindern werden in Solingen nach Angaben der Stadt zwei Schulen unter anderem von Schulpsychologen unterstützt.

"Die seelischen Auswirkungen sind nicht abzuschätzen", sagte ein Sprecher der Stadt am Montag mit Blick auf die Freunde der Kinder, ihre Mitschüler, die Lehrer und alle weiteren Menschen im Umfeld, die tief betroffen seien. Den beiden Schulen sei umfangreiche Unterstützung zugesagt worden.

Der schulpsychologische Dienst und ein Seelsorger hätten unmittelbar mit einer Grundschule und einer weiterführenden Schule Kontakt aufgenommen, schilderte der Sprecher der Stadt.

An den Schulen seien Krisenteams eingerichtet worden. Auch die Opferschutzbeauftragte der Polizei sei aktiv.

In der Grundschule wurden zwei der fünf toten Kinder unterrichtet. An der weiterführenden Schule ist das einzig überlebende Kind der Familie, der elfjährige Marcel, Schüler.

Titelfoto: David Young/dpa

Mehr zum Thema Polizeimeldungen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0