Hundertjährige haut Telefonbetrüger übers Ohr: 33-Jähriger festgenommen

Augsburg - Es gibt sie noch. Die guten Nachrichten, die einem die Mundwinkel nach oben ziehen. Für eine solche Nachricht hat nun eine 100 (!) Jahre alte Frau aus Augsburg gesorgt.

Festgenommen statt ausgenommen: Für den 33 Jahre alten Abholer gab es zwar keine Beute, aber immerhin Handschellen. (Symbolbild)
Festgenommen statt ausgenommen: Für den 33 Jahre alten Abholer gab es zwar keine Beute, aber immerhin Handschellen. (Symbolbild)  © Carsten Rehder/dpa

Dort wollte ein unbekannter Täter mit der sogenannten "Schockanruf"-Masche an das Ersparte der pfiffigen Seniorin herankommen.

Das Prinzip dieses Betrugs ist im Grundsatz immer identisch: Eine unbekannte Person ruft bei einem Senioren oder einer Seniorin an und gibt sich als Kind oder Enkel aus.

Es wird behauptet, dass man unverschuldet in eine schlimme Situation geraten wäre und man nun ganz schnell viel Geld benötigte, um das Problem vorerst beseitigen zu können.

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Weil man selber nicht wegkönne, würde man einen Freund bei den Großeltern vorbeischicken, damit dieser Bargeld und Wertsachen abholt und so das Enkelkind "rettet". Allzu oft führt diese Masche zum Erfolg - auch wenn die Polizei immer wieder davor warnt.

Am Donnerstag klingelte nun das Telefon in Augsburg und die Betrüger hofften auf fette Beute - allerdings haben sie diese Rechnung ohne die offenbar bestens informierte 100-Jährige gemacht.

100 Jahre alte Seniorin bekommt Hilfe von Studentenpaar

Nach einem Jahrhundert Lebenszeit noch zum Ganoven-Schreck zu werden, hatte die Dame wohl nicht geplant - aber geschafft. (Symbolbild)
Nach einem Jahrhundert Lebenszeit noch zum Ganoven-Schreck zu werden, hatte die Dame wohl nicht geplant - aber geschafft. (Symbolbild)  © 123RF/dolgachov

Denn sie durchschaute nicht nur das falsche Spiel, sondern holte Verstärkung. "Sie hielt den Täter am Telefon und begab sich zu ihren Nachbarn, einem 26-jährigen Studentenpaar", teilte die Polizei am Freitag mit.

"Zusammen ergaben sie ein gutes Team. Die 100-Jährige telefonierte weiter mit dem Täter und täuschte vor, bezahlen zu wollen, während die Nachbarn zeitgleich die Polizei informierten und die Rentnerin unterstützten."

Die Seniorin packte schließlich sogar auch noch ihr schauspielerisches Können aus und ging sogar selbst vor das Haus, um die Übergabe vorzutäuschen.

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Was der 33 Jahre alte Mittäter in dem Betrugsversuch nicht ahnte: Auch Zivilbeamte der Polizei standen vor Ort bereits in ihren Startlöchern.

Bargeld gab es für den Betrüger keines und der einzige Schmuck, der ihm überreicht wurde, waren zwei metallische Armreifen, die mit einer Kette verbunden waren.

"Nicht mit meiner Oma"-Kampagne weiter verbreiten

"Besonders zu erwähnen ist in diesem Fall die tolle Zusammenarbeit zwischen der rüstigen Frau und ihren jungen Nachbarn, die es der Polizei ermöglicht haben, dem Betrüger das Handwerk zu legen und ihn dingfest zu machen", heißt es lobend in der Pressemeldung.

Es ist nicht auszuschließen, dass der Festgenommene auch für zwei weitere Betrugsfälle in Nordschwaben in dieser Woche verantwortlich ist.

Um solche Erfolgsmeldungen öfter verkünden zu dürfen, erinnerte die Polizei an die "Nicht mit meiner Oma"-Kampagne, die auch unter dem Hashtag #nmmo verbreitet wird.

Titelfoto: 123RF/dolgachov

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