"Schockierende" E-Scooter-Bilanz am Wochenende: Sechs Menschen mit schweren Kopfverletzungen

Köln – Die Kölner Polizei muss nach dem vergangenen Wochenende eine nach eigenen Aussagen "schockierende" Bilanz ziehen. Die Beamten registrierten zehn Unfälle, bei sechs davon kam es zu schweren Kopfverletzungen. Alle Unfälle waren vermutlich eine Folge von Alkoholkonsum.

Die E-Scooter stehen zur jeder Tageszeit bereit und können einfach bedient werden. Sie sind eine schnelle Möglichkeit, um von A nach B zu gelangen. (Symbolbild)
Die E-Scooter stehen zur jeder Tageszeit bereit und können einfach bedient werden. Sie sind eine schnelle Möglichkeit, um von A nach B zu gelangen. (Symbolbild)  © 123RF/Andrii Gorgots

Wie die Polizei mitteilte, kam es vom 25. Juni bis zum 28. Juni zu schweren Unfällen mit den Fahrzeugen.

Am Samstag stürzte ein 34 Jahre alter Fahrer gegen 1.30 Uhr mit dem Roller, zog sich schwere Platzwunden am Kopf zu und verlor beim Aufschlag mehrere Zähne. Die eintreffende Polizei registrierte einen starken Alkoholgeruch und ordneten eine Blutentnahme an.

Etwa 3 Stunden später stürzte ein 20-Jähriger, ebenfalls alkoholisierter Mann. Aufgrund der Schwere seiner Gesichtsverletzungen war er nicht mehr in der Lage einen Alkoholtest durchzuführen. Rettungskräfte fuhren ihn in eine Klinik, wo ihm ebenfalls Blut abgenommen wurde.

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Zu einem dritten Unfall kam es Sonntagnacht gegen 2 Uhr. Ein 43 Jahre alter E-Scooter-Nutzer prallte gegen einen Bordstein, stürzte und zog sich Knochenbrüche im Gesicht sowie Hämatome zu. Aufgrund von Hirnblutungen liegt er aktuell auf einer Intensivstation.

Auch hier vermutet die Polizei, dass sich der Unfall wegen eines Promillewertes von 1,8 ereignete.

Zu dritt auf einem E-Scooter unterwegs

Viele E-Scooter-Fahrer steigen auch im betrunkenen Zustand auf die Fahrzeuge und denken nicht über die Risiken nach. (Symbolbild)
Viele E-Scooter-Fahrer steigen auch im betrunkenen Zustand auf die Fahrzeuge und denken nicht über die Risiken nach. (Symbolbild)  © Rolf Vennenbernd/dpa

Drei Jugendliche fuhren am Sonntag gegen 20.30 Uhr auf einem Roller und stürzten auf einem Schotterweg am Herkulesberg als sie den Hang herabfuhren. Der 16-jährige Fahrer wurde laut Polizeiangaben mit schweren Gesichtsfrakturen in ein Krankenhaus gefahren. Auch er soll schwer alkoholisiert gewesen sein und konnte daher keinen Alkoholtest mehr durchführen. Seine Mitfahrerinnen verletzten sich leicht.

Ebenfalls am Sonntag, gegen 23 Uhr, stürzte eine 49-Jährige, schlug mit dem Hinterkopf auf einen geparkten Opel und dann auf der Fahrbahn auf. Sie erlitt Knochenbrüche im Gesicht und innere Verletzungen. Auch bei ihr wurde Alkoholkonsum vermutet.

Der sechste, ebenfalls schwere, Unfall geschah am Sonntag gegen 21 Uhr in Leverkusen. Ein 37 Jahre alte Mercedes-Fahrer erfasste beim Linksabbiegen einen E-Scooter-Fahrer, der ihm entgegen kam. Das 40 Jahre alter Opfer wurde mit Schürfwunden, Hämatomen und Prellungen in ein Krankenhaus gebracht. Er gab gegenüber den Beamten zu, dass er unter Alkohol- und Drogeneinfluss stand.

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Bei vier weiteren Unfällen standen die Opfer ebenfalls unter Alkoholeinfluss, verletzten sich allerdings nicht so schwer.

Kölner Polizeidirektor bezeichnet Verhalten von E-Scooter-Nutzern als "desaströs" und "enthemmt"

Die Bilanz der Polizei ist nach eigenen Angaben "schockierend". Die kommenden Wochen wollen Beamte spezielle E-Scooter-Kontrolleinsätze organisieren. (Symbolbild)
Die Bilanz der Polizei ist nach eigenen Angaben "schockierend". Die kommenden Wochen wollen Beamte spezielle E-Scooter-Kontrolleinsätze organisieren. (Symbolbild)  © Federico Gambarini/dpa

Für die Kölner Beamten ist es eine Bilanz, die sie nicht mehr einfach so hinnehmen können. Nach Angaben der Polizei kam es im vergangenen Mai zu 43 Unfällen mit E-Scootern. Im Juni waren es 69, bei denen 43 Fahrerinnen und Fahrer Verletzungen erlitten. 18 Unfälle geschahen, weil die Opfer unter Alkoholeinfluss standen.

"Die Unfälle vom Wochenende spiegeln das desaströse und enthemmte Verhalten derer wider, die alkoholisiert, zu zweit oder sogar zu dritt und entgegen aller Regeln mit E-Scootern auf den Straßen, Rad- und Gehwegen unterwegs sind. Fußgänger scheinen Hindernisse auf den stark frequentierten 'Scooter-Slalomstrecken' zu sein", erklärt der leitende Polizeidirektor Martin Lotz und ergänzt: "Das Verhalten der E-Scooter-Nutzenden ist eine enorme Belastung in Zeiten stark steigender Einsatzzahlen. Diese liegen nach den Lockerungen inzwischen deutlich über dem Vergleichszeitraum aus 2019, als von Corona noch keine Rede war."

Polizeidirektor Gereon Eich sieht sofortigen Handlungsbedarf: "Was sich an diesem unfallträchtigen Wochenende in Köln und Leverkusen ereignet hat, ist nicht akzeptabel. Dabei dürfte die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle mit verletzten Personen noch höher liegen, denn wir haben nur die Fälle aufgeführt, zu denen wir auch gerufen wurden, weil Menschen verletzt neben ihrem E-Scooter lagen."

Er kündigt für die kommenden Wochen E-Scooter-Kontrolleinsätze des Verkehrsdienstes an.

Titelfoto: 123RF/Andrii Gorgots

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