"Nicht loslassen, der fährt sonst drüber": Klempner wird von Dieben auf Motorhaube mitgeschleift

Wernigerode - Im Oktober vergangenen Jahres verletzte sich ein Klempner im Harz bei dem Versuch, rücksichtslose Einbrecher zu stoppen. Bei "Kripo live" wurde der Fall jetzt neu aufgerollt.

Im Oktober 2021 flüchteten die Täter die Friedrichstraße (L100) in Richtung Schierke entlang, nachdem sie die Klempnerei "Adenstedt-Randolff GmbH" bestohlen hatten.
Im Oktober 2021 flüchteten die Täter die Friedrichstraße (L100) in Richtung Schierke entlang, nachdem sie die Klempnerei "Adenstedt-Randolff GmbH" bestohlen hatten.  © Screenshot Google Earth

Jürgen Randolff (59) kehrte am 20. Oktober gegen 10.30 Uhr zu seinem Sanitärbetrieb "Adenstedt-Randolff GmbH" zurück, nachdem er zuvor im Rahmen eines Kundenbesuchs unterwegs gewesen war.

Als er auf dem Hof, der direkt an der L100 in Wernigerode liegt, einen weißen Transporter entdeckte, dachte er sich erstmal nicht viel dabei - bis er ein ungewöhnliches Detail bemerkte: das rumänische Kennzeichen.

Er sprach einen der zu dem unbekannten Transporter gehörenden Männer an, der in einer fremden Sprache seinen Komplizen alarmierte. Der hatte sich bis dahin in der gewaltsam aufgebrochenen Klempner-Werkstatt zu schaffen gemacht und Kisten ins Fahrzeug getragen.

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Während die beiden Unbekannten sich blitzschnell in ihren Transporter schwangen, begab sich Jürgen Randolff zum Hoftor, um dieses zu schließen und die Diebe von der Flucht abzuhalten.

Dieser Plan scheiterte allerdings mit dramatischen Folgen: Der Lieferwagen fuhr unbeirrt auf ihn zu und machte keine Anstalten zu bremsen. "Da blieb mir halt als einziger Ausweg, mich an der Motorhaube festzuhalten", erinnerte sich der Klempner an diese erschreckenden Momente. "Immer mit dem Gedanken im Kopf: Nicht loslassen, der fährt sonst drüber".

Und tatsächlich schienen sich die Einbrecher nicht um die Sicherheit des Klempners zu scheren: So rasten die beiden mit dem Mann auf der Motorhaube die Friedrichstraße Richtung Schierke entlang - und das für mehrere hundert Meter, bis sie plötzlich stark bremsten, sodass Jürgen Randolff auf die Straße geschleudert wurde.

Lieferwagen schleift Jürgen Randolff mit

"Ich kann mich erst wieder erinnern, als ich auf dem Fußweg stand, keine Schuhe mehr anhatte, durchgeschliffene Strümpfe und leichte Schmerzen. Ich konnte mich an nichts erinnern", erzählte der 59-Jährige bei "Kripo live". Passanten halfen ihm auf und verständigten danach sofort einen Krankenwagen. Die Diebe machten sich unterdessen auf und davon.

Bei der wilden Fahrt zog sich Randolff Schürfwunden am Bein, eine Rippenprellung und eine Bänder-Dehnung am Knie zu: "Da hatte ich über Monate mit zu kämpfen, die ersten 14 Tage konnte ich nur mit Schmerztabletten laufen", berichtete er weiter." Das hat sich Gott sei Dank halbwegs gebessert, ein paar Kleinigkeiten sind noch da, aber ich denke mal, wir sind auf einem guten Weg".

Die rücksichtslosen Einbrecher erbeuteten 500 kg Kupfer- und Messingschrott aus der Sanitär-Werkstatt. Insgesamt dürften sie damit einen Stehlschaden von bis zu 2000 Euro verursacht haben, dazu kommen noch die Einbruchsspuren an der aufgebrochenen Tür.

Die Kripo Halberstadt ist bei ihren Ermittlungen auf Zeugen-Hinweise angewiesen. Falls Ihr am 20. Oktober in der Friedrichstraße etwas beobachtet habt, meldet Euch unter der Telefonnummer 03941674293 bei der Polizei.

Titelfoto: Screenshot Google Earth

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