Nach Verbot von Innenminister Seehofer: Groß-Razzien bei Neonazi-Gruppierung "Wolfsbrigade 44"

Wiesbaden/Berlin - Mit dem bundesweiten Verbot der "Wolfsbrigade 44" sind Einsatzkräfte auch in Hessen gegen mutmaßliche Mitglieder der Neonazi-Vereinigung vorgegangen.

Seit den frühen Dienstagmorgen-Stunden kam es auch in Hessen zu mehreren Razzien (Symbolfoto).
Seit den frühen Dienstagmorgen-Stunden kam es auch in Hessen zu mehreren Razzien (Symbolfoto).  © dpa/Friso Gentsch

"Seit den frühen Morgenstunden werden 20 Objekte, davon sieben Arbeitsstellen und zwei Haftzellen durchsucht", teilte das Innenministerium in Wiesbaden am Dienstag mit. Ziel der Durchsuchungen sei es, Vereinsvermögen und Beweismittel für die Aktivitäten des Vereins sicherzustellen.

Acht Mitgliedern in Nordhessen habe man an ihren Wohnorten die Verbotsverfügung zugestellt. Laut Ministerium wohnen von den 13 führenden Vereinsmitgliedern acht Personen – darunter auch der sogenannte Präsident – in Hessen.

Daher sei das Verbot mit großem Einsatz hessischer Sicherheitsbehörden umgesetzt worden. Es waren rund 145 Einsatzkräfte beteiligt. Die Vereinsmitglieder bekennen sich nach Angaben von Sicherheitsbehörden offen zu Adolf Hitler und strebten die Wiedereinrichtung eines NS-Staats unter Abschaffung des demokratischen Rechtsstaats an.

Nach dem Verbot werde man die Mitglieder nun weiter beobachten. Die "Wolfsbrigade 44" habe schon länger in Hessen im Fokus gestanden, sagte Innenminister Peter Beuth (52/CDU): "Dem Verbot und den heutigen Durchsuchungen gehen umfangreiche Maßnahmen unserer Sicherheitsbehörden voraus."

Die verbotene Gruppierung sei mehrmals Thema im Hessischen Extremismus- und Terrorismus-Abwehrzentrum gewesen und auch die Besondere Aufbauorganisation (BAO) Hessen R habe sie im Blick gehabt.

Auch in Hessen wurde gegen die Neonazi-Vereinigung "Wolfsbrigade 44" vorgegangen

Bundes-Innenminister Horst Seehofer (71/CSU) hatte die Neonazi-Gruppierung verboten.
Bundes-Innenminister Horst Seehofer (71/CSU) hatte die Neonazi-Gruppierung verboten.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Die BAO war als Reaktion auf den Mord an Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) gegründet worden.

Mit der "Wolfsbrigade 44" hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (71/CSU) erneut eine Neonazi-Vereinigung verboten. Die Gruppierung sei auch unter dem Namen "Sturmbrigade 44" bekannt. Seehofer erklärte:

"Eine Vereinigung, die Hass sät und für die Wiedererrichtung eines nationalsozialistischen Staates eintritt, hat in unserem Land keinen Platz. Wer die Grundwerte unserer freiheitlichen Gesellschaft bekämpft, bekommt die entschlossene Reaktion unseres Rechtsstaates zu spüren."

Am frühen Morgen begannen laut Bundesinnenministerium 187 Einsatzkräfte in Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen mit der Durchsuchung von Wohnungen von insgesamt elf Vereinsmitgliedern.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums vom Vormittag wurden zunächst Waffen gefunden, und zwar Einhandmesser, eine Armbrust, Bajonette und eine Machete, sowie Hakenkreuze und NS-Devotionalien, zudem digitale Beweismittel und Speichermedien. Die Gruppe soll Mitglieder in vier Bundesländern haben.

Hessens Innenminister Beuth: "Verbot und Durchsuchungen gehen umfangreiche Maßnahmen voraus"

Laut Hessens Innenminister Peter Beuth (52/CDU) habe die Gruppierung schon seit längerem im Fokus gestanden.
Laut Hessens Innenminister Peter Beuth (52/CDU) habe die Gruppierung schon seit längerem im Fokus gestanden.  © dpa/Boris Rössler

Prägend für den Verein sei insbesondere "sein martialisches Auftreten, der stark ausgeprägte Rassismus und Antisemitismus sowie die kämpferisch-aggressive Grundhaltung, die er öffentlich und in sozialen Medien propagierte, um seine menschenverachtende Ideologie zu verbreiten und weitere Unterstützer zu gewinnen."

Die Zahl 44 im Namen der Neonazi-Gruppe steht als Code für den vierten Buchstaben im Alphabet - DD als Abkürzung für "Division Dirlewanger" und bezieht sich auf einen als besonders sadistisch berüchtigten Kriegsverbrecher und Kommandeur einer Sondereinheit der Waffen-SS, Oskar Dirlewanger.

Die Gruppe, die seit 2016 existiert und anfangs unter dem Namen "Sturmbrigade 44" aktiv war, verfügt nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörde über eine feste Struktur. Anfang 2018 war in einem Zug eine Tasche mit Waffen und einem T-Shirt mit dem Aufdruck "Sturmbrigade 44 Köthen-Anhalt" gefunden worden.

Im Zuge eines Ermittlungsverfahrens des Generalbundesanwalts wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung hatte es im Juli 2019 Durchsuchungen in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gegeben.

In diesem Jahr hat Seehofer bereits mit "Combat 18" und "Nordadler" zwei rechtsextremistische Gruppen verboten sowie eine antisemitische Reichsbürger-Vereinigung.

Titelfoto: Montage: DPA/Friso Gentsch, Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

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