Nach Vorwürfen gegen Essener Oberarzt: Werden nun alle Sterbefälle überprüft?

Essen - Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz hat eine Aufarbeitung aller Sterbefälle im Umfeld des Oberarztes der Essener Uniklinik gefordert, dem von der Polizei Totschlag vorgeworfen wird.

Ein Oberarzt der Essener Uniklinik soll zwei todkranken Männern in deren letzter Lebensphase Medikamente verabreicht haben, die zu deren sofortigem Tod führten.
Ein Oberarzt der Essener Uniklinik soll zwei todkranken Männern in deren letzter Lebensphase Medikamente verabreicht haben, die zu deren sofortigem Tod führten.  © Marcel Kusch/dpa

"Da der Arzt auch in leitender Funktion war, müssen alle Sterbefälle der letzten Jahre aufgearbeitet werden, in denen der Mediziner Dienst hatte", sagte Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur.

Der 44 Jahre alte Mediziner soll nach Angaben der Polizei zwei todkranken Männern Medikamente verabreicht haben, die zum sofortigem Tod führten. Er kam in Haft, eine Mordkommission ermittelt. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung handelte es sich bei den beiden gestorbenen Männern um Corona-Patienten, die auf der Covid-19-Station des Uniklinikums behandelt wurden.

Krankenhäuser seien auch Orte des täglichen Sterbens, sagte Brysch. "Für Täter ist deshalb die Gefahr gering, schnell überführt zu werden." Bei tödlich verlaufenden Krankheiten sei es die Aufgabe der Ärzte, "in Abstimmung mit den Patienten leidenslindernde palliative Hilfe beim Sterben" zu ermöglichen. Im Fall des Oberarztes in Essen bestünden nun "berechtigte Zweifel, ob das die Motive des Mediziners waren."

Die Polizei hatte am Freitag mitgeteilt, dass der Beschuldigte zu einem der Fälle angegeben habe, dass er das weitere Leiden des Patienten und seiner Angehörigen habe beenden wollen. Der Arzt sei seit Februar in der Uniklinik Essen beschäftigt gewesen, teilte das Klinikum mit.

Titelfoto: Marcel Kusch/dpa

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