LKA-Studie alarmierend: 13- bis 15-Jährige Mädchen oft Opfer bei "Pornselfies"

München - Die Kriminologische Forschungsgruppe (KFG) im Bayerischen Landeskriminalamt hat am Montag seinen aktuellen Jahresbericht mit dem Titel „Kriminalität und Viktimisierung junger Menschen in Bayern 2019“ veröffentlicht.

Sogenannte "Pornselfies" stellen aus Sicht der Polizei ein großes Problem bei Jugendlichen dar. (Symbolbild)
Sogenannte "Pornselfies" stellen aus Sicht der Polizei ein großes Problem bei Jugendlichen dar. (Symbolbild)  © Julian Stratenschulte/dpa

Einer der Schwerpunkte lag dabei auf dem Sonderteil "Verbreitung von Pornografie unter Jugendlichen - eine Analyse polizeilicher Sachverhalte". Mit einbezogen wurden alle erfassten Fälle des Jahres 2019.

Es sei - so eine Mitteilung der Behörde - heutzutage ohne größere Probleme möglich, kostenlos Zugang zu Pornografie zu erhalten. So auch für junge Menschen. Mit der Verbesserung der digitalen Möglichkeiten (insbesondere durch Smartphones) hat sich auch die Verbreitung sexualisierter Inhalte stark vereinfacht.

"Für 2019 weist die PKS ("Polizeiliche Kriminalstatistik", Anm. d. Red.) gegenüber dem Vorjahr bayernweit eine erhebliche Steigerung der Fallzahlen beim Straftatbestand 'Verbreitung pornografischer Schriften' auf (+54,7 Prozent)", heißt es in dem Bericht.

Besonders besorgniserregend: "Die Entwicklung ist vor allem auf die gestiegenen Fallzahlen bei der Verbreitung von Kinderpornografie unter den Jugendlichen zurückzuführen." Besonders hervorzuheben sind dabei, so Michael Laumer von der KFG, männliche, deutsche Jugendliche zwischen 14 und 15 Jahren, die größtenteils die Mittelschule besuchen und per Handy pornografische Abbildungen speichern und häufig in Chatgruppen verbreiten.

"Die inkriminierten Dateien beinhalten hauptsächlich kinderpornografische Abbildungen, die sich im Schwerpunkt auf selbst gefertigte Nacktaufnahmen und Masturbationshandlungen konzentrieren." Sogenannte Pornselfies also.

13- bis 15-Jährige Mädchen oft Opfer verbreiteter Nacktaufnahmen

Wenn das Bild im Netz ist, kriegt man es nicht mehr raus - das müssen viele junge Mädchen oft unfreiwillig feststellen. (Symbolbild)
Wenn das Bild im Netz ist, kriegt man es nicht mehr raus - das müssen viele junge Mädchen oft unfreiwillig feststellen. (Symbolbild)  © 123rf/Alexander Koltyrin

Diese stellen oftmals ein Problem dar, weil überwiegend 13- bis 15-jährigen Mädchen ihre Selbstaufnahmen (mehr oder weniger freiwillig, wie es heißt) an ihre Partner schicken. Allerdings geraten diese Aufnahmen dann an andere Personen, wenn die Beziehung beendet wird oder das abgebildete Mädchen bloßgestellt werden soll.

"Gleichsam belastend für die überwiegend weiblichen Betroffenen ist es, wenn die Nacktaufnahmen oder die Sexszenen vom männlichen Partner heimlich aufgenommen werden, die er anschließend in seiner Chatgruppe postet", heißt es in der Auswertung. 

Die meisten solcher Fälle wurden nicht etwa dadurch bekannt, dass sich die Opfer bei der Polizei gemeldet hätten. Zu groß sei vermutlich die Angst, sich Eltern, Lehrern oder der Polizei offenbaren zu müssen. Hinzu kommen Schamgefühl und Schuldgefühle - schließlich habe man die Aufnahmen selbst angefertigt und versendet. Im Laufe anderer Ermittlungen seien die Beamten auf diese Fälle gestoßen - was eine entsprechend hohe Dunkelziffer vermuten lässt.

Unabhängig solcher sexualisierten Straftaten lässt sich aus der Statistik herauslesen, dass in Bayern 2019 etwa 21 Prozent junger Tatverdächtiger registriert wurden. Wie in den Jahren zuvor ist also etwa jeder fünfte Tatverdächtige ein Kind, Jugendlicher oder Heranwachsender.

Titelfoto: 123rf/Alexander Koltyrin

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