Polizisten verletzt, Angestellte bedroht? Prinz Ernst August von Hannover vor Gericht

Wels (Österreich) - In Österreich hat der Prozess gegen Welfenprinz Ernst August von Hannover (67) begonnen.

Ernst August Prinz von Hannover (67,l.).
Ernst August Prinz von Hannover (67,l.).  © dpa/APA/Fotokerschi.At/Werner Kerschbaum

Der 67-Jährige muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Wels verantworten. Er soll sich im vergangenen Sommer in seinem Jagdhaus mit Alkohol und Medikamenten in den Zustand der Unzurechnungsfähigkeit versetzt und in dieser Verfassung unter anderem einen Polizisten verletzt und eine andere Beamtin sowie Angestellte bedroht haben.

Vorgeworfen werden ihm Widerstand gegen die Staatsgewalt, schwere Körperverletzung, gefährliche Drohung und Nötigung. Der Strafrahmen beträgt dem Gericht zufolge bis zu drei Jahren Haft. Es gilt bis zum Urteil die Unschuldsvermutung.

Der Prozess, der zunächst auf einen Tag anberaumt ist, wird von zahlreichen Medien gerade auch aus Deutschland verfolgt.

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Am heutigen Dienstag sind mehrere Zeugen sowie ein psychiatrischer Gutachter geladen.

Update, 10.35 Uhr: Prinz Ernst August von Hannover bekennt sich nicht schuldig, entschuldigt sich jedoch

Journalisten warten vor Beginn des Prozesses gegen Welfenprinz Ernst August von Hannover am Landesgericht.
Journalisten warten vor Beginn des Prozesses gegen Welfenprinz Ernst August von Hannover am Landesgericht.  © dpa/APA/Fotokerschi.At/Werner Kerschbaum

Ernst August hat sich zum Auftakt seines Prozesses entschuldigt. "Ich übernehme die Verantwortung, bedauere das Geschehene außerordentlich und bin bereit, für die Schäden aufzukommen", sagte der 67-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht Wels in Österreich. Zugleich bekannte er sich nicht schuldig.

Die Verteidigung meinte, ihr Mandant habe sich nach einer Krebsoperation und durch einen Konflikt mit seinem Sohn in einer Ausnahmesituation befunden. "Er fühlte sich im Stich gelassen", so einer seiner Verteidiger.

Für die Verlesung eines psychiatrischen Gutachtens wurde auf Antrag der Verteidigung die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Außerdem hat der Angeklagte erklärt, am Rest der Verhandlung nicht teilnehmen zu wollen. Er gehöre als ehemaliger Krebspatient einer Hochrisikogruppe an, und habe Angst, sich im Gerichtssaal mit dem Coronavirus anzustecken, sagte Ernst August von Hannover.

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Im Lauf des Tages sollen noch rund zehn Zeugen vernommen werden.

Nicht der erste Ausraster von Ernst August von Hannover

Ein Polizist steht vor Beginn des Prozesses gegen Ernst August von Hannover vor dem Landesgericht.
Ein Polizist steht vor Beginn des Prozesses gegen Ernst August von Hannover vor dem Landesgericht.  © dpa/APA/Fotokerschi.At/Werner Kerschbaum

Noch vor dem Vorfall, der am heutigen Dienstag vor dem Welser Landgericht verhandelt wird, rastete der Prinz im Juli des vergangenen Jahres derartig aus, dass er anschließend in eine Psychiatrie gebracht werden musste. Er alarmierte selbst den Notruf und behauptete, gerade ermordet zu werden. Als die Beamten eintrafen, soll er gereizt reagiert und sie des Grundstücks verwiesen haben. Dann attackierte er einen Polizisten.

Eine Woche später soll er mit einem Baseballschläger bewaffnet in einem Polizeirevier gewesen sein und habe die Beamten bedroht.

2018 musste der Prinz nach einem Alkohol-Exzess (auf der Hochzeit seines Sohnes!) ins Koma versetzt werden. 2010 griff er einen Hotelier in Kenia an.

Ernst August ist ein Urenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II.

Titelfoto: Montage: dpa/APA/Fotokerschi.At/Werner Kerschbaum (2)

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