Studentin lag gefesselt im Straßengraben: Ist der Angeklagte überhaupt schuldfähig?

Lübeck - Im Lübecker Prozess um die Entführung und Vergewaltigung einer Studentin werden am Dienstag die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung erwartet. 

Der wegen versuchten Mordes, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung Angeklagte sitzt vor Prozessbeginn im Gerichtssaal.
Der wegen versuchten Mordes, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung Angeklagte sitzt vor Prozessbeginn im Gerichtssaal.  © Georg Wendt/dpa

Der Angeklagte, ein 43 Jahre alter Türke, soll im Oktober 2019 eine damals 21 Jahre alte Medizinstudentin entführt und vergewaltigt haben.

Anschließend soll er sie gefesselt an einem einsamen Feldweg bei Mönkhagen im Kreis Stormarn zurückgelassen haben (TAG24 berichtete).

Kurz zuvor soll er schon einmal eine junge Frau verschleppt und in seiner Gartenlaube eingesperrt haben.

Der Angeklagte, dem die Staatsanwaltschaft versuchten Mord, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung vorwirft, hat während des gesamten Prozesses geschwiegen. 

Eine psychiatrische Sachverständige hatte ihn als narzisstische Persönlichkeit mit einem hohen Gewaltpotenzial gegenüber Frauen geschildert. 

Nach ihren Angaben ist der Angeklagte jedoch voll schuldfähig.

Update, 14.37 Uhr: Lebenslange Haft gefordert

Die Staatsanwaltschaft hat am Dienstag für den Angeklagten lebenslange Haft wegen versuchten Mordes gefordert. 

Der 43-Jährige habe gewollt, dass sein Opfer stirbt, um so die vorangegangene Vergewaltigung zu verdecken, sagte Staatsanwalt Niels-Broder Greve am achten Prozesstag vor dem Lübecker Landgericht. 

Verteidigerin Kerstin Raber sah dagegen die Mordabsicht als nicht erwiesen an. Sie beantragte, den Angeklagten wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Aussetzung zu verurteilen. Sie forderte eine angemessene Strafe, stellte aber keinen konkreten Antrag zum Strafmaß.

Das Urteil soll am Freitag verkündet werden.

Titelfoto: Georg Wendt/dpa

Mehr zum Thema Justiz:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0