Prozess um Mord an fünf Kindern: Gutachter soll Informationen "bewusst unterschlagen" haben

Von Wolfram Lumpe/Frank Christiansen

Wuppertal – Im Prozess um die Solinger Kindermorde wird dem Gutachter vorgeworfen, die Behandlungsdokumentation der Angeklagten aus Viersen unvollständig dargestellt zu haben.

Mitte Juni saß die angeklagte Mutter vor dem Landgericht Wuppertal: Der Mordprozess hatte begonnen.
Mitte Juni saß die angeklagte Mutter vor dem Landgericht Wuppertal: Der Mordprozess hatte begonnen.  © Oliver Berg/dpa

Aus diesem Grund haben die Verteidiger einen neuen Befangenheitsantrag gegen den psychiatrischen Gutachter gestellt.

In der Dokumentation habe die Mutter bereits als Jugendliche bei einem Klinik-Aufenthalt berichtet, Opfer sexuellen Missbrauchs und einer Vergewaltigung geworden zu sein. Dies habe der Gutachter "bewusst unterschlagen".

Der Psychiater wehrte sich gegen die Vorwürfe: Die von den Verteidigern vorgelegten Unterlagen aus Viersen sehe er "zum ersten Mal". Er habe sie nicht erhalten. "Ich habe das zugrunde gelegt, was mir von der Klinik zur Verfügung gestellt wurde", sagte er.

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Weitere Unterlagen, die er ergänzend angefordert habe, habe er erst am Dienstag erhalten.

"Man kann ihm das glauben, ich glaube es ihm nicht", sagte Rechtsanwalt Thomas Seifert.

Der Gutachter müsse zwingend abberufen werden. "Das schreit alles nach einer Neu-Begutachtung", sagte er.

Gutachter und Verteidiger sind sich nicht einig

In dieser Wohnung sollen die fünf Kinder zu Tode gekommen sein.
In dieser Wohnung sollen die fünf Kinder zu Tode gekommen sein.  © Marcel Kusch/dpa

Der Gutachter hatte der Angeklagten in einem Zwischenbericht volle Schuldfähigkeit attestiert. Die Verteidiger sehen dagegen Anzeichen für eine schwere Persönlichkeitsstörung als Folge sexueller Übergriffe im Kindesalter.

Dies könnte die Angeklagte vor einer Verurteilung zu lebenslanger Haft gewahren - zugunsten einer Einweisung in eine geschlossene Psychiatrie.

Der Prozess soll am 11. August fortgesetzt werden. Das Gericht kündigte am Mittwoch weitere Verhandlungstage bis in die zweite Oktoberhälfte an.

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Der 28-jährigen Deutschen droht lebenslange Haft, weil sie fünf ihrer sechs Kinder ermordet haben soll. Die Leichen ihrer Kinder waren am 3. September vergangenen Jahres in der Wohnung der Familie in Solingen entdeckt worden: Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8).

Ihre Mutter hatte sich nach der Tat im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, aber überlebt. Ihr ältester Sohn blieb unverletzt. Seine Mutter hatte ihn zur Großmutter an den Niederrhein geschickt.

Die Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Ein Unbekannter habe ihre Kinder getötet.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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