Supermarkt wirbt mit schwarzer Familie: Rassisten rufen zum Boykott auf!

London - Die britische Supermarktkette Sainsbury's veröffentlichte einen Werbeclip mit einer schwarzen Familie. Zahlreiche Menschen riefen daraufhin zum Boykott des Marktes auf. Denn sie kritisierten, dass sie sich nicht mit der Familie identifizieren können. Sie empfinden "weiße Darsteller" passender.

Weil der britische Supermarkt Sainsbury's mit einer dunkelhäutigen Familie für Weihnachten warb, riefen Kunden zum Boykott auf. (Symbolbild)
Weil der britische Supermarkt Sainsbury's mit einer dunkelhäutigen Familie für Weihnachten warb, riefen Kunden zum Boykott auf. (Symbolbild)  © 123RF/luckybusiness

Neben Corona war und ist das Jahr 2020 von einem weiteren, wichtigen Thema geprägt: der Black-Lives-Matter-Bewegung. Weltweit gingen Tausende Menschen auf die Straßen, um gegen Polizeigewalt und Rassismus zu demonstrieren.

Doch dass Fremdenfeindlichkeit nach wie vor einen festen Bestandteil in unserer heutigen Gesellschaft hat, bewiesen zahlreiche Reaktionen auf einen Werbeclip der britischen Supermarktkette Sainsbury's.

Auf Twitter veröffentlichten diese ein Video, welches ihre Kunden auf Weihnachten einstimmen sollte. In diesem verbringt eine dunkelhäutige Familie ein schönes Weihnachtsfest miteinander, inklusive Geschenke auspacken. Vor allem das gemeinsame Kochen ist ein Thema.

Die Aufnahmen wirken, als wären es selbst gedrehte, persönliche Ausschnitte aus dem Leben der Familienmitglieder. Mit viel Charme und auch Witz wollte Sainsbury's seinen Kunden ein kleines Lächeln auf den Lippen zaubern. "Essen ist Zuhause. Zuhause ist Weihnachten. Macht den Ton für das festliche Gefühl an!", schrieben die Macher.

Doch daraus wurde nichts. Denn leider sollte die Hautfarbe der Darsteller eine tragende Rolle spielen. Die Menschen riefen sogar dazu auf, den Supermarkt zu boykottieren.

"Großbritannien ist zu 86 Prozent weiß", beschwerte sich ein User. Die Anzeige würde nicht die Mehrheit der Menschen im Land repräsentieren.

Weitere Kommentare waren: "Wo sind die Briten?", "Ihr könnt euch selbst bald 'Blackbury's' nennen" oder "Es ist Ihnen gelungen, die wenigen verbliebenen weißen Kunden, die Sie noch hatten, völlig zu verprellen".

Der Clip der Supermarktkette Sainsbury's sorgt für Aufsehen

Sainsbury's verteidigt seine Werbeentscheidung

Die Supermarktkette Sainbury's dominiert neben Tesco den Lebensmittelverkauf in Großbritannien.
Die Supermarktkette Sainbury's dominiert neben Tesco den Lebensmittelverkauf in Großbritannien.  © Jacob King/PA Wire/dpa

Auch Tage nach der Veröffentlichung konnte man erkennen, wie der Supermarkthändler verzweifelt versuchte, seine Entscheidung gegenüber all den Hatern zu erklären.

So teilten sie mit, dass sie sich in den vergangenen Jahren stets mit ihren Werbeanzeigen frei ausprobiert hätten. Dieses Jahr sei wie kein anderes gewesen, weshalb sie das in ihrem Clip widerspiegeln wollten.

Zudem meinten die Macher, dass sie das moderne Großbritannien darstellen möchten. Der Clip mit der Schwarzen Familie sei nur der Erste der Kampagne gewesen. Die folgenden würden den Weihnachtsalltag einer anderen Gemeinschaft darstellen.

Doch es war bereits zu spät: Weltweit sorgten die Reaktionen auf den Werbeclip für Schlagzeilen. Der Independent titelte, dass dies alles der beste Beweis sei, warum Großbritannien immer noch rassistisch ist.

Kurz darauf gab es den zweiten Trailer, diesmal mit einer komplett weißen Familie. Es gab zwar Kritik, doch ein Großteil schrieb "Endlich eine Familie, mit der ich mich identifizieren kann!". Sainsbury's heftete diesen Clip an seinem Twitter-Account an.

Sainsbury's reagiert und veröffentlicht Clip mit weißen Darstellern

Hass im Netz für viele unverständlich

Es gab aber nicht nur rassistische Kommentare. Denn einige Menschen konnten den Hass im Netz einfach nicht verstehen. Sie verwiesen darauf, dass man auch andere Supermärkte aufgrund ihrer Weihnachtswerbung kritisieren könnte.

Beispielsweise wirbt "Aldi" mit einer "Karotten-Familie" für Weihnachten. Da hatte es aber bislang keinen Shitstorm wegen "fehlender Identifizierung" gegeben.

Titelfoto: 123RF/luckybusiness

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