Nach Rassismus-Eklat: Jetzt spricht Jens Lehmann

Berlin - Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann (51) hat sich nach dem Aufruhr um seine rassistische WhatsApp-Nachricht an Dennis Aogo (34) in den letzten Wochen mit seinem Verhalten auseinandergesetzt und viel über Diskriminierung gelernt.

Jens Lehmann (51) ist seit dem Rassismus-Eklat nicht mehr im Aufsichtsrat von Hertha BSC.
Jens Lehmann (51) ist seit dem Rassismus-Eklat nicht mehr im Aufsichtsrat von Hertha BSC.  © Martin Meissner/AP-Pool/dpa

Das sagte der frühere Fußball-Profi in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit": "Ich muss zugeben, so tiefgreifend habe ich mich vorher nie mit dem Thema beschäftigt. Mit Diskriminierung. Mit systemischem Rassismus und Kolonialismus."

Er habe sich hinterfragt, wie oft er Sachen gesagt haben könnte, mit denen er unabsichtlich andere Gruppen getroffen haben könnte? "In London, beim FC Arsenal, war ich manchmal der einzige weiße Spieler im Team. Wäre ich ein Rassist, hätte das nicht funktioniert", sagte Lehmann. Als Fußballer lebe man Inklusion, Respekt und Toleranz.

Er habe danach Gespräche mit vielen schwarzen Mitspielern von damals geführt. "War da was? Eine Geste? Ein dummer Spruch? Alle haben mir bestätigt, dass das nie der Fall gewesen ist. Eher das Gegenteil, Respekt und Unterstützung. Deswegen geht es mir auch gut", so der 51-Jährige, der sich nochmals für seinen Fehler entschuldigte.

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"Ich kann jeden verstehen, der das Wort als respektlos empfunden hat."

Innerhalb weniger Stunden verlor Lehmann zahlreiche Geschäftspartner

Jens Lehmann (51) hatte Dennis Aogo (34) versehentlich eine rassistische Nachricht geschickt und sich dafür bei ihm entschuldigt. Der Ex-Fußballprofi nahm die Entschuldigung an.
Jens Lehmann (51) hatte Dennis Aogo (34) versehentlich eine rassistische Nachricht geschickt und sich dafür bei ihm entschuldigt. Der Ex-Fußballprofi nahm die Entschuldigung an.  © picture alliance / dpa

Lehmann (51) hatte im Mai in einer WhatsApp-Nachricht an den TV-Experten und früheren Profi Aogo diesen als "Quotenschwarzen" bezeichnet. Er entschuldigte sich bei Aogo, der nahm die Entschuldigung an.

"Und mich hat auch die Frage beschäftigt: Wie komme ich dazu, den Begriff 'Quotenschwarzer' zu verwenden? Ich schaffe ja nachts um zehn Uhr kein neues Wort."

Zum Beispiel wollten letztes Jahr im Rahmen der Black-Lives-Matter-Bewegung "Firmen wie Adidas, Nike und Levi’s die Schwarzenquote in ihren Belegschaften in Amerika erhöhen und haben das genau so kommuniziert - ohne Aufschrei in den Medien aufgrund der Wortwahl, sondern mit Lob aufgrund des Vorhabens."

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Nach seiner Äußerung hätten sich "binnen Stunden" viele seiner Geschäftspartner von ihm getrennt: "Die Laureus-Stiftung von Daimler. Charity-Veranstalter. Aber ich tue alles dafür, das Vertrauen der Partner zurückzugewinnen."

Die Nachricht, dass er nicht mehr Aufsichtsratsmitglied bei Hertha BSC ist, habe Lehmann entgegen anders lautenden Berichten erst "in diesen Tagen" erhalten, "also sieben Wochen später". Er habe eine Liste erhalten, "auf der mein Name nicht mehr stand", sagte Lehmann.

Titelfoto: Martin Meissner/AP-Pool/dpa, picture alliance / dpa

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