Polizeipräsident lässt "N-Wort" fallen: Müller räumt Fehler ein und entschuldigt sich

Wiesbaden - Der Präsident des Polizeipräsidiums in Wiesbaden, Stefan Müller, hat die Benutzung des sogenannten N-Wortes eingeräumt, zugleich aber Rassismusvorwürfe zurückgewiesen.

In einer Besprechung mit den Angehörigen des SEK ließ Müller das "N-Wort " fallen.
In einer Besprechung mit den Angehörigen des SEK ließ Müller das "N-Wort " fallen.  © Sebastian Gollnow/dpa

Sein Sprachgebrauch sei unsensibel und unangebracht gewesen, sagte er am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. Mit dem Begriff "N-Wort" wird heute eine früher gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben.

Er habe seinen Fehler bei dem Treffen Mitte Juni sofort bemerkt und sich entschuldigt.

Zuvor habe er in einer sehr emotionalen Besprechung mit Angehörigen des Spezialeinsatzkommandos (SEK) versucht, die Wogen zu glätten und dabei eine Anspielung auf ein Kinderlied gemacht, indem dieses Wort vorkommt.

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Innenminister Peter Beuth (53, CDU) sagte, er finde diese Anleihe an einem alten Kinderreim unsensibel. Allerdings sei Müller offen und selbstkritisch mit dem Vorfall umgegangen. Dies sei ein Zeichen einer gesunden Fehlerkultur. Deshalb sei er der richtige Mann für den Neustrukturierungsprozess des SEK. Es sollten nicht Dinge vermischt werden, die nichts miteinander zu tun hätten.

Nach Bekanntwerden von rechtsextremen Chats bei der hessischen Polizei hatte Beuth das SEK des Frankfurter Polizeipräsidiums aufgelöst. Mittlerweile sei bekannt, dass 50 aktive Polizisten an den Chats teilnahmen, davon 36 vom SEK Frankfurt, sagte der Minister am Donnerstag. Sechs weitere Teilnehmer sind keine aktiven hessischen Polizisten.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 19 Polizisten (davon 18 Angehörige des SEK Frankfurt und ein ehemaliger SEK-Beamter, der aktuell bei der Hessischen Polizeiakademie beschäftigt ist) sowie einen ehemaligen SEK-Beamten, der nicht mehr bei der hessischen Polizei beschäftigt ist.

Sie sollen unter anderem Hakenkreuze und Hitler-Bilder ausgetauscht haben. Gegen weitere Beamte laufen disziplinarische und arbeitsrechtliche Maßnahmen. Polizeipräsident Müller leitet den Neuaufbau des SEK.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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