Rassismus? Kirchengemeinde entfernt die Heiligen Drei Könige aus der Weihnachtskrippe

Ulm - Die evangelische Münstergemeinde in Ulm wird die Heiligen Drei Könige aus ihrer Weihnachtskrippe entfernen.

Die Figur des schwarzen Königs, um die es geht.
Die Figur des schwarzen Königs, um die es geht.  © Peter Schaal-Ahlers/Evangelisches Pfarramt Ulm/dpa

Die drei Figuren, darunter der Melchior mit schwarzer Hautfarbe, sollen in diesem Jahr nicht gezeigt werden, sagte Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. Die Gemeinde reagiere damit auch auf die andauernde Rassismus-Debatte in Deutschland.

"Die Holzfigur des Melchior ist etwa mit seinen dicken Lippen und der unförmigen Statur aus heutiger Sicht eindeutig als rassistisch anzusehen", sagte Gohl. 

Dies könne und wolle die Gemeinde so nicht stehen lassen. Stattdessen soll in diesem Jahr die Weihnachtsgeschichte nach Lukas erzählt werden, in der die Heiligen Drei Könige nicht vorkommen.

Mit der Entscheidung möchte die Gemeinde auch einer möglichen Debatte während der Feiertage vorgreifen. Das diesjährige Weihnachten solle nicht von einer Debatte um die Krippenfiguren bestimmt werden. 

Eine endgültige Entscheidung zum Umgang mit der Figur des Melchior wolle die Gemeinde "in aller Ruhe" im neuen Jahr treffen, so Gohl.

Die Südwest Presse hatte zuerst darüber berichtet.

Update: 13.03 Uhr

Landesbischof würde Figuren stehenlassen

Landesbischof Frank Otfried July.
Landesbischof Frank Otfried July.  © Sebastian Gollnow/dpa

In der Debatte um eine umstrittene Krippenfigur hat der württembergische Landesbischof der Münstergemeinde in Ulm den Rücken gestärkt. 

"Der Weg, den man jetzt in Ulm versucht zu gehen, ist richtig", sagte Frank Otfried July am Mittwoch in Stuttgart der dpa. "Es ist wichtig, eine Entscheidung gut zu beraten und auf dem Weg dorthin die dafür nötige Ruhe in der Gemeinde zu gewinnen."

Die Gemeinde hatte sich entschieden, die Heiligen Drei Könige aus ihrer Weihnachtskrippe zu entfernen. Die drei Figuren, darunter ein dunkelhäutiger Melchior mit dicken Lippen und unförmiger Statur, sollen in diesem Jahr nicht gezeigt werden, sagte Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. 

Die Gemeinde reagiere damit auch auf die andauernde Rassismus-Debatte in Deutschland. Eine endgültige Entscheidung zum Umgang mit der Figur des Melchior will die Gemeinde "in aller Ruhe" im neuen Jahr treffen.

July sprach sich dafür aus, die Figuren mit einem erklärenden Kommentar zu versehen. 

"So etwas abzuhängen oder wegzustellen oder in einem Museum zu verstecken, halte ich für den schlechteren Weg", sagte der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. "Es ist unsinnig, Dinge im Nachhinein unserer gegenwärtigen Überzeugung anzupassen. Man muss sie erklären und in eine heutige, kritische Bewertung stellen."

Titelfoto: Peter Schaal-Ahlers/Evangelisches Pfarramt Ulm/dpa

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