Sawsan Chebli: "Ich werde von vielen Seiten gehasst" - Rechte wollten sie mundtot machen

Berlin - Die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli (44) wird für ihr Engagement gegen Antisemitismus immer wieder angefeindet. "Ich werde von vielen Seiten gehasst", sagte sie in einem Gespräch mit dem Israeli Arye Shalicar (45) im Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Sawsan Chebli (44) war bis Dezember 2021 Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales.
Sawsan Chebli (44) war bis Dezember 2021 Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales.  © Wolfgang Kumm/dpa

"Von Islamisten, denen ich nicht muslimisch genug bin, von Leuten in der arabischen und palästinensischen Community, die mich als Verräterin sehen, von einigen aus der jüdischen Gemeinde, die mir vorwerfen, mein Kampf gegen Antisemitismus sei geheuchelt", so die 44-Jährige.

Die größte Gefahr gehe aber von Rechten und Rechtsradikalen aus, die sie mundtot machen wollten, weil sie für sie in Deutschland nichts verloren habe.

Chebli, bis Dezember 2021 Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, kam in den siebziger Jahren als Kind palästinensischer Flüchtlinge aus dem Libanon nach Deutschland.

Rassismus in Kölner Feuerwache: Ein Mitarbeiter gefeuert!
Rassismus Rassismus in Kölner Feuerwache: Ein Mitarbeiter gefeuert!

"Der Nahostkonflikt war omnipräsent. Auch Wut auf Israel", sagte sie dazu, wie in ihrer eigenen Familie über Juden und den jüdischen Staat gesprochen wurde.

"Ich hatte das Glück, einen Vater zu haben, der sehr versöhnlich war und immer das Gute im Menschen sah."

Sawsan Chebli engagiert sich in Schulen gegen Rassismus und Antisemitismus

Sawsan Chebli setzt sich weiterhin gegen Antisemitismus ein.
Sawsan Chebli setzt sich weiterhin gegen Antisemitismus ein.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Die 44-Jährige, die in Berlin-Moabit aufgewachsen ist und nach dem Abitur Politikwissenschaften studiert hat, engagiert sich unter anderem in Schulen gegen Rassismus und Antisemitismus.

"Antisemitismus in der muslimischen Community ist großenteils israelbezogen. Da setze ich an", sagte sie. "Ich war zum Beispiel mit einer Schulklasse, wo die Mehrheit einen arabischen Hintergrund hatte, in Israel."

Als sie selbst das erste Mal nach Israel gereist sei, sei das für sie wie ein Augenöffner gewesen. "Es hat mir geholfen, zu verstehen und nicht zu hassen. Ich habe Menschen kennengelernt, die so wie ich Brücken bauen wollen."

"Nicht meine Schuld, dass du schwarz bist": Rassistischer Vorfall an Uni schockiert die USA
Rassismus "Nicht meine Schuld, dass du schwarz bist": Rassistischer Vorfall an Uni schockiert die USA

Heute spreche sie mit jungen Leuten über ihre Biografie und Erfahrungen mit dem Judentum und Israel. "Ich möchte, dass die Kids lernen, zu differenzieren, für Frieden und Versöhnung zu kämpfen und nicht zu hassen."

Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Mehr zum Thema Rassismus: